Kommunikation

Die Kommunikation ist der Ausgangspunkt der neuen Dienstleistungen. Zuerst muss der Verwaltungsrat und das Management des Elektrizitätswerkes voll hinter der neuen Strategie stehen und die Mitarbeiter müssen informiert werden.

Mitarbeitermotivation

Bevor mit der Animation der Kunden begonnen wird, sind zuerst die Animatoren zu animieren. Bei der Einführung beschäftigten die Mitarbeiter folgende vier Fragen am meisten:

1. Wo kann man Energie sparen?

2. Wie können wir das herausfinden und mitteilen?

3. Was nützt es dem Elektrizitätswerk?

4. Was nütz es mir?

Die technischen Fragen (1. und 2.) können mit der gemeinsamen Beratungen von ausgesuchten Objekten und in der Ausbildung beantwortet werden. Die Frage nach dem Nutzen (3.) muss immer wieder diskutiert und auch auf den persönlichen Nutzen (4.) bezogen werden. Es gibt Kunden, welche die Energieberatung als Einmischung kritisierten oder kein Interesse an den Aktivitäten des EW's haben. Auch die Anstrengungen der Mitarbeiter, in Energiefragen kompetent zu werden und das Risiko des fachlichen Versagens sind unbequem. Motivierende Gespräche mit den Mitarbeitern, die Vorstellung von aufschlussreichen Energieanalysen, erfolgreiche Aktionen und, nicht zuletzt, sich zufrieden äussernde Kunden animierten aber die Mitarbeiter.

Die positive Rückkopplung der Animation funktioniert, wenn man das richtige Mass für die Förderung der Energie-Effizienz findet. Hat man zu hohe Ziele, wird man frustriert, tut man zuwenig, zeigt sich keine Wirkung. Das Erfolgskonzept heisst: Konzentration auf die Kunden, welche mitmachen wollen. Dadurch animiert man sich gegenseitig, und kann so weitere Kunden animieren.

Zur Mitarbeitermotivation gehört vor allem auch die interne Kommunikation. Die Mitarbeiter müssen über ihre Aktivitäten informieren (rapportieren) und über die der Kollegen auf dem laufenden sein. Soweit möglich, sollten die Mitarbeiter bei der Jahresplanung (Kapitel 9) ihre Vorschläge einbringen können. Frühzeitige Insider-Informationen über Mailings und andere Aktivitäten, zum Beispiel am schwarzen Brett, verbessern die Zusammenarbeit.

Werbung

Grundsätzlich sind fast alle Kunden für eine rationelle Verwendung von Energie und praktisch niemand verschwendet wissentlich Energie. Trotzdem kann noch viel Energie ohne Komfort- oder Produktivitätseinbusse eingespart werden, wenn man weiss wie und Lust dazu hat. Die Vermittlung dieser Botschaft erfolgt mit Werbung und Tatbeweisen. Die Kunden sollen wissen, dass sich Ihr Elektrizitätswerk für die sie engagiert und etwas zu bieten hat. Mit der heutigen Flut an Informationen kann diese Botschaft nur vermittelt werden, wenn sie kontinuierlich mit attraktiven Meldungen erfolgt und der Wahrheit entspricht.

Checkliste für die Werbemassahmen
Ziel: Animation zur rationellen Energieverwendung
Nachfrage für Dienstleistungen vom Elektrizitätswerk
Aufbau von Image (EW und Versorgungsgebiet)
Wer: Alle Kunden und ausgesuchte Kundengruppen
Was: Angebote des EW's (Beratung, Anlässe ...)
Energiespartips (Wissen über Energieeffizienz)
Informationen über Aktivitäten und Erfolge des EW's
Wie: Medien (Telefonbuch, Plakate, Zeitungen, Radio, TV, Internet ...)
Mailing, Flugblätter und Broschüren
Auf und mit der Stromrechnung
Persönliche Propaganda der Mitarbeiter, Delegierten und Kunden
Kontrolle: Anzahl Anfragen, Teilnehmer
Dokumentation: Journaleintrag über Botschaft, Kopie der Meldung

Die einfachste Möglichkeit, an die Kunden zu gelangen, ist das Mailing. Alle Kunden sind im Computer gespeichert und erhalten mehrmals jährlich eine Rechnung. Folgende Möglichkeiten ergeben sich:


Ausschnitt aus einer informativen Stromrechnung.

Aus den direkten Kontakten mit den Kunden (Reklamationen, Zählerablesung ...) ergeben sich die besten Gelegenheiten, die neuen Dienste zu «verkaufen». Aus diesem Grund ist es wichtig, dass alle Mitarbeiter mit Kundenkontakt informiert und ausgebildet sind.

Weitere Werbemöglichkeiten sind:

Bei allen Werbeanstrengungen muss beachtet werden, dass ein grosser Teil der Bevölkerung an der Energieberatung nicht interessiert ist. Die Werbung darf nicht aggressiv sein, die «Energieverschwender» dürfen nicht angeprangert werden. Die Beratungsleistungen sollten für eine energetische Grobanalyse gratis sein. Für intensivere Bemühungen muss darauf geachtet werden, dass man das lokale Gewerbe nicht mit Dumpingpreisen benachteiligt.

Zusammenarbeit

Es ist nicht möglich, für alle Energieanwendungen das notwendige Wissen zu haben. Für ein Elektrizitätswerk ist es zweckmässig, komplexere Aufgabenstellungen gemeinsam mit externen Fachleuten zu bearbeiten. Es ist daher sinnvoll, möglichst oft mit dem lokalen Gewerbe zusammenzuarbeiten und in die neuen Dienste miteinzubeziehen. Als Partner bieten sich an:

Energietag

Eine andere Form der Öffentlichkeitsarbeit ist die Durchführung eines Energietages. Er hat neben dem informellen auch einen sozialen Aspekt (Dorffest). Ziel des im Rahmen des Projektes «RAVEL - Animation im Val Müstair» durchgeführten Energietages war es, der Talbevölkerung das Projekt und die neuen Dienstleistungen vorzustellen. Gleichzeitig sollte aber auch das lokale Gewerbe mit einbezogen werden. Das Schwierigste bei der Planung des Energietages war die Festlegung eines geeigneten Termins.

Über 10% der Kunden folgten der Einladung. Der Energietag war besonders für die Mitarbeiter des EW's motivierend, weil sie den Kunden etwas bieten konnten. Der erste Energietag erforderte einen Aufwand von etwa 200 Stunden und 5000 Franken. Bei der Wiederholung wird der Aufwand geringer sein, weil man dann auf den Erfahrungen des ersten Anlasses aufbauen kann.

Checkliste für die Durchführung eines Energietags
Ziel: Animation zur rationellen Energieverwendung
Nachfrage für Dienstleistungen des Elektrizitätswerkes
Nachfrage nach Produkten und Leistungen des lokalen Gewerbes
Aufbau von Image (EW, lokales Gewerbe und Region)
Wer: Die Kunden im Versorgungsgebiet
Medienvertreter und Partner
Was: Energieberatung
Verkauf von Produkten und Leistungen des lokalen Gewerbes
Wissen über Energieeffizienz (Beispiele, Attraktionen ...)
Informationen über Angebote, Aktivitäten und Erfolge des EW's
Wie: Optimaler Durchführungstermin und Ort
Zusammenarbeit mit dem Gewerbe
Gute Werbung für den Anlass
Projektmanagement
Kontrolle: Anzahl Teilnehmer, Beratungen und Anfragen
Umsatz Gewerbe
Dokumentation: Durchführungsplan, Kopie der Meldungen, Fotos

Einladung an der Energietag im Münstertal

Der erste Energie-Tag 1994 im Val Müstair ist am Freitag, den 15. Oktober 1994 von 10 bis 17 Uhr beim Verwaltungsgebäude des PEM in Sta. Maria. Folgendes Programm wird geboten:

Gewerbeausstellung: Die Elektroinstallateure, Heizungs- und Sanitärinstallateure, Küchenbauer und Architekten aus dem Münstertal zeigen ihre Produkte und Dienstleistungen zum Thema Energiesparen.

Kochmobil: In einem Ausstellungswagen sind unterschiedliche Kochherde eingebaut: von der Gusseisenplatte, über das Keramikkochfeld bis hin zum Induktionsherd. Ein Koch aus dem Münstertal demonstriert, wie darauf mit den richtigen Pfannen energieeffizient gekocht werden kann.

Sonnenkollektoren: Die vom Amt für Energie initiierten Selbstbaugruppen Sonnenkollektoren haben im Kanton schon über 150 Anlagen für die Warmwassererzeugung geplant und realisiert. Das sonnige Münstertal ist besonders geeignet für die Sonnenenergienutzung. An einem Informationsstand wird für eine Gruppe im Münstertal geworben, damit über den Winter die ersten Anlagen gebaut werden. Es haben sich schon die ersten Interessenten angemeldet.

Pfannenflickservice: Als direkte Dienstleistung wird ein Pfannenflickservice angeboten. Die Besucher bringen ihre Pfannen mit krummen Böden mit, und ein Mitarbeiter von PEM wird diese wieder flach klopfen oder schleifen. Mit den reparierten Pfannen wird das Kochgut schneller warm, die Herdplatten werden geschont und es wird natürlich auch weniger Strom zum Kochen benötigt.

Energiesparberatung: Die Besucher haben zwei Möglichkeiten sich in Bezug auf den Energieverbrauch zu vergleichen: Zum einen verfügt PEM über ein Computerprogramm, welches alle Typen und Marken von grösseren Haushaltgeräten «kennt». Der Interessent erfährt direkt, welche Modelle wieviel weniger Strom und Wasser brauchen, als sein gegenwärtiges. Zum anderen zeigt eine einfache Auswahltabelle dem Besucher wieviel Strom ein vergleichbarer Durchschnittshaushalt braucht. Im Konferenzraum werden Videofilme zum Thema Energie gezeigt. Aufliegende Bücher und Broschuren widmen sich dem gleichen Thema und Mitarbeiter von PEM beantworten Energiefragen.

Kraftwerksbesichtigung: Zwischen 13 und 15 Uhr finden geführte Besichtigungen des «alten» Wasserkraftwerkes Muranzina statt, welches etwa 500 Meter vom Verwaltungsgebäude entfernt liegt. Die im gleichen Gebäude untergebrachten Netzüberwachungsanlagen werden auch gezeigt und erklärt.

Projektvorstellung und Festwirtschaft: Die Ergebnisse der Situationsanalyse und die 14 energetisch untersuchten Objekte des Münstertals werden auf Plakaten vorgestellt. Die Projektmitarbeiter informieren über Details und die weiteren geplanten Aktionen. Es gibt auch etwas Feines zu essen und zu trinken und für die Kinder gibt es eine kleine Überraschung.

Foto 1: Der Energietag fand auf dem Parkplatz des Verwaltungsgebäudes von PEM statt.

Foto 2: Das Kochmobil mit dem einheimischem Koch.

Foto 3: Der Pfannenflicker von PEM.

Abbildung 1: Auf einem solchen Plakat wurde am Energietag ein analysierter Haushalt vorgestellt.

Abbildung 2: Vorstellung eines überprüften Landwirtschaftsbetriebes.

Abbildung 3: Präsentation eines untersuchten Hotels.

Weitere Möglichkeiten

Wettbewerbe
  • Attraktive Preise sind politisch heikel (Verschwendung) und kleine Preise sind ein geringer Anreiz (geeignet für Kinder). Die «gerechte» Bewertung von Erfolgen im Energiesparen ist praktisch unmöglich. Wettbewerbe eignen sich für: Zur Attraktivitätssteigerung von Informationen und Anlässen.
  • Als Messmittel für das Interesse und die Verständigungsqualität.
  • Als Belohnung für die Beteiligung an Umfragen und Aktionen.
Geschenke
  • Als Belohnung für die Kunden, welche sich um eine Energieberatung bemühen, solange noch keine grosse Nachfrage besteht. Als Werbegeschenk, um auf die neuen Leistungen aufmerksam zu machen. Geschenke sind für ein Elektrizitätswerk heikle Animationsmittel. Folgende Geschenke sind denkbar: Kühlschrankthermometer (mit Solltemperaturen).
  • Gutscheine für den Kauf von energieeffizienten Geräten (teuer).
  • Energiesparlampen (relativ teuer: Fr. 20.- pro Kunde). Energiespar-Broschüren (ohne Bestellung wandern Broschüren wie andere «ungebetene» Drucksachen direkt ins Altpapier). Abzeichen wie Pins und Kleber (die meisten landen im Abfall).
Veranstaltungen
  • Die Durchführung sollte gemeinsam mit Fachleuten erfolgen. Folgende Themen bieten sich an: Steuervergünstigungen und Subventionen für Energieeffizienz.
  • Energie und ihre Bedeutung für die Schweiz (Aufklärung).
  • Energie und Kosten sparen (Tips und Rezepte).
  • Alternative Energien (Animation für Sonnenenergienutzung).
  • Was ist ein Niedrig-Energiehaus? (für Architekten und Bauherren).
Programme
  • Die Teilnahme an guten überregionalen Programmen und Projekten ist eine attraktive Bereicherung der Animation. Beispiele: E2000 (Stromeffiziente Geräte für 50 Haushaltungen).
  • Etappenziel für die «Tour de sol».
  • Bewerbung für den «prix eta» nach ausgewiesenen Erfolgen.
  • Bewerbung als Tagungsort für Umwelt- und Energiethemen.
Sponsoring
  • Unterstützung einer Postautolinie.
  • Durchführung oder Beteiligung am "Strom-Cup" (Mountainbike-Rennen)

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 © GLOOR ENGINEERING, CH-7434 SUFERS, 24. JULI 1996