Haushaltsberatung

Die Energieanalyse von privaten Haushalten ist weitgehend standardisiert. Die Beratung kann schriftlich mit Fragebogen oder persönlich im Elektrizitätswerk, an einer Veranstaltung oder beim Kunden zuhause erfolgen.

Checkliste für die Haushaltsberatung
Ziel: Unterstützung der Kunden bei der rationellen Verwendung von Energie
Aufbau von Image
Detaillierte Kenntnisse über Stromanwendungen (Netzoptimierung)
Wer: Kunden mit Anfragen (vorwiegend Haushalte)
Ausgesuchte Kunden (persönliches Angebot an Kundengruppen)
Was: Zuordnung des Energieverbrauchs auf die einzelnen Verbraucher
Vergleich des Energieverbrauchs mit Referenzwerten
Vorschläge für Sparmassnahmen
Besprechung mit Kunden
Wie: Auswertung der Energiedaten aus den Vorperioden
VAB-Dokumentation und Broschüren
Produkteneutralität (Problem bei eigenem Geräteverkauf)
Vertrauliche Behandlung der Beratung
Kontrolle: Befragung nach 2 Monaten, Ausfüllen eines Fragebogen
Kontrolle der Energieverbrauchsentwicklung über 3 Jahre
Dokumentation: Journal der Kontakte (Wann, Wer, Was)
Kopie der Auswertung und der Kontrolle

Allgemeine Bemerkungen über die Durchführung von Analysen bei Kunden:

Es folgt nun ein ausführlich dokumentiertes Beispiel der Grobanalyse eines Haushalts. Dabei sollen die verschiedenen Hilfsmittel gezeigt und wo nötig erläutert werden.

1. Schritt: Vorbereitung

Vor dem Besuch werden die vorhandenen Zählerablesedaten ausgewertet. Als Kontrolle wird nebst dem Energieverbrauch eine gemittelte Leistung pro Rechnungsperiode berechnet.

Zählerablesedaten Zählerstand Verbrauch Mittlere Leistung
Datum Stunden HT NT HT NT HT NT
01. Okt. 90 0 h 148'734 kWh 0 kWh 0 kWh 0 kWh 0.00 kW 0.00 kW
01. Apr. 91 4'368 h 151'870 kWh 369 kWh 3'136 kWh 369 kWh 1.08 kW 0.25 kW
01. Okt. 91 4'392 h 153'706 kWh 1'582 kWh 1'836 kWh 1'213 kWh 0.63 kW 0.83 kW
01. Apr. 92 4'392 h 155'378 kWh 2'989 kWh 1'672 kWh 1'407 kWh 0.57 kW 0.96 kW
01. Okt. 92 4'392 h 156'529 kWh 5'146 kWh 1'151 kWh 2'157 kWh 0.39 kW 1.47 kW
01. Apr. 93 4'368 h 158'547 kWh 6'888 kWh 2'018 kWh 1'742 kWh 0.69 kW 1.20 kW
01. Okt. 93 4'392 h 159'734 kWh 8'722 kWh 1'187 kWh 1'834 kWh 0.41 kW 1.25 kW
01. Apr. 94 4'368 h 161'712 kWh 10'564 kWh 1'978 kWh 1'842 kWh 0.68 kW 1.27 kW
01. Okt. 94 4'392 h 162'788 kWh 12'690 kWh 1'076 kWh 2'126 kWh 0.37 kW 1.45 kW
01. Apr. 95 4'368 h 164'226 kWh 14'188 kWh 1'438 kWh 1'498 kWh 0.49 kW 1.03 kW

Anhand der Stromverbrauchsdaten kriegt man sehr schnell einen Überblick und kann bereits
beim ersten Besuch nachfragen, wenn die Tabelle irgendwo Ausreisser aufweist.

2. Schritt: Grobbeurteilung

Für die Energieberatung von Haushalten gibt es von der Vereinigung der Anwendungs- und Beratungsfachleute (VAB) einen Ordner. Die Grobbeurteilung wird mit Hilfe des Formulars 02.11.02, Seite 3 aus dem VAB-Ordner durchgeführt. Ein vergleichbare Beurteilung erlaubt das Taschenbuch von «Kompetent antworten auf Energiefragen» von INFEL.

Art des Haushaltes Wohnung in Mehrfamilienhaus Einfamilienhaus
Anzahl Bewohner des Haushaltes 1 2 3 4 - 6 1 - 2 3 - 6
Elektroboiler, Waschmaschine, Elektroherd u. ü. V. 2550 4000 5500 7300 4900 7750
Waschmaschine, Elektroherd und übrige Verbraucher 1550 2000 2550 3300 2900 3750
Elektroherd und übrige Verbraucher 1350 1700 2100 2650    
Nur übrige Verbraucher 1100 1350 1650 2050    
Keine Angaben (CH-Durchschnittswert) 1850 2530 3370 3750 3990 5190

Grobbeurteilung des Stromverbrauchs von Haushaltungen (kWh pro Jahr).

3. Schritt: Bestandsaufnahme

Passend zur VAB-Modellrechnung wird ein Fragebogen eingesetzt. Dieser kann allenfalls bereits zum voraus an die Haushalte gesandt werden, damit sich die Bewohner die einzelnen Fragen in aller Ruhe überlegen können. Die Angaben dieses Fragebogens werden als Eingabedaten des VAB-Berechnungsmodelles verwendet, welches daraus den Stromverbrauch für die verschiedenen Anwendungen ermittelt und sie einem entsprechenden Durchschnittshaushalt gegenüberstellt.

Dieses VAB-Arbeitsblatt diente als Fragebogen und Eingabemaske für die Auswertung.

Das VAB-Rechenmodell hat sich im Einsatz gut bewährt und ist eine grosse Unterstützung im Bereich der Grobanalysen für Haushalte. Folgende allgemeine Bemerkungen lassen sich dazu machen:

Das theoretische Rechenmodell kann für die Analyse jedes beliebigen Konsumenten verwendet werden. Der prinzipielle Ablauf bleibt dabei immer gleich.

Wenn der theoretische Verbrauch der Modellrechnung und der tatsächliche Verbrauch nicht mehr als ± 10% voneinander abweichen, kann davon ausgegangen werden, dass die Angaben über den Einsatz der Geräte genügend genau sind.

In erster Linie beeinflusst das Verbraucherverhalten den Energieverbrauch des Gerätes. Die Gerätedaten spielen erst ein zweiter Linie eine Rolle (Ausnahme: Kühleinrichtungen).

4. Schritt: Besichtigung des Objektes

Auf dem Rundgang durchs Haus können die Daten der grösseren Haushaltgeräte notiert und die Angaben zu den verschiedenen Anwendungen verifiziert werden. Oft kommen dabei auch noch Geräte zum Vorschein, an welche die Bewohner nicht mehr gedacht hatten.

Familie Weber, Besuch am 24. 3. 94 
  • Herr Weber ist Kreisförster, 4 Kinder
  • Einfamilienhaus, 4 jährig
  • Es wird sehr stark auf sparsamen Umgang mit Energie geachtet, jedoch finden sich immer wieder Lücken (Fensterläden schliessen, Kühlschrank im Winter ausschalten und Lebensmittel in entsprechend kühlem Raum aufbewahren... )
Heizung: 
  • Holzkachelofen in Kombination mit Holzkochherd
  • Bodenheizung elektrisch: Speicher 4,65 kW, Direktheizung 2,85 kW in Küche und Badezimmer, auf tiefster Stufe circa November/Dezember bis Januar/Februar (geregelt)
  • Warmwasser im Sommer elektrisch, im Winter mit Holzheizung, Boilerinhalt 500 l, davon 250 l mit Holzheizung beheizbar. Im Winter praktisch nur mit Holz, in der Übergangszeit eine Ladung pro Woche elektrisch
  • Holzverbrauch circa 20 Ster pro Jahr, EBF 180 m² › EKZ 720 MJ/m²a
  • Leitungen für Sonnenkollektoren sind bereits vorgesehen, soll bald realisiert werden, er ist begeistert von der Selbstbauidee
  • Haushaltgeräte: alle erst vierjährig !
Pendenzen: 
  • Neue Daten › Dokumentation überarbeiten /überprüfen

Die für die Analyse relevanten Angaben werden festgehalten.

5. Schritt: Energiebuchhaltung

Die Bewohner werden beauftragt, auf einem Hilfsformular regelmässig den aktuellen Stand des Stromzählers einzutragen. Zuerst täglich, immer zur gleichen Zeit und dann wöchentlich, immer am gleichen Tag und zur gleichen Zeit. Das gleiche Formular kann auch für die Ermittlung des Heizenergieverbrauchs verwendet werden. Meist ist es jedoch schwierig, einigermassen zuverlässige Angaben zu bekommen, weil die entsprechenden Messeinrichtungen fehlen. Die so ausgefüllten Formulare werden eingesammelt und können ähnlich wie beim 1. Schritt ausgewertet werden. Untenstehend ist ein Ausschnitt aus dem Formular zur Erfassung der Zählerablesungen dargestellt.

Datum Uhrzeit Strom HT Strom NT Heizöl/Holz
30.3.94 8:30 161 672 10 494 .
31.3 9:00 677 508 .
1.4 9:00 682 509 .
2.4 9:00 689 520 .
3.4. 9:00 701 543 .
4.4. 8:30 704 547 .
5.4. 9:00 713 564 .
6.4. 9:00 721 568 .
7.4. 9:00 725 572 .

In ein solches Formular tragen die Kunden ihre Ablesewerte ein.
Der optimale Aufbewahrungsort ist beim Stromzähler.

Die Aufbereitung der Ablesewerte erfolgt am einfachsten mit einem Tabellenkalkulationsprogramm. Mit dem Ausrechnen der mittleren Leistung zwischen zwei Ablesewerten wird die Auswertung vereinfacht. Der Kunde kann dann gezielt auf seine Aktivitäten in einer Zeitperiode mit abweichenden Daten befragt werden.

Tagesdaten Zählerstand Verbrauch Mittlere Leistung
Datum Wochentag Differenz HT NT HT NT HT NT
30. Mrz. 94 Mittwoch 0 h 161'672 10'494 0 kWh 0 kWh 0.00 kW 0.00 kW
31. Mrz. 94 Donnerstag 24 h 161'677 10'508 5 kWh 14 kWh 0.31 kW 1.75 kW
01. Apr. 94 Freitag 24 h 161'682 10'509 5 kWh 1 kWh 0.31 kW 0.13 kW
02. Apr. 94 Samstag 24 h 161'689 10'520 7 kWh 11 kWh 0.44 kW 1.38 kW
03. Apr. 94 Sonntag 24 h 161'701 10'543 12 kWh 23 kWh 0.75 kW 2.88 kW
04. Apr. 94 Montag 24 h 161'704 10'547 3 kWh 4 kWh 0.19 kW 0.50 kW
05. Apr. 94 Dienstag 24 h 161'713 10'564 9 kWh 17 kWh 0.56 kW 2.13 kW
06. Apr. 94 Mittwoch 24 h 161'721 10'568 8 kWh 4 kWh 0.50 kW 0.50 kW
07. Apr. 94 Donnerstag 24 h 161'725 10'572 4 kWh 4 kWh 0.25 kW 0.50 kW
08. Apr. 94 Freitag 24 h 161'732 10'576 7 kWh 4 kWh 0.44 kW 0.50 kW
Tagesdaten Zählerstand Verbrauch Mittlere Leistung
Datum Wochentag Differenz HT NT HT NT HT NT
30. Mrz. 94 08:30 Mittwoch 0 h 161'672 10'494 0 kWh 0 kWh 0.00 kW 0.00 kW
06. Apr. 94 09:00 Mittwoch 169 h 161'721 10'568 49 kWh 74 kWh 0.44 kW 1.32 kW
13. Apr. 94 09:30 Mittwoch 169 h 161'771 10'604 50 kWh 36 kWh 0.45 kW 0.64 kW
20. Apr. 94 08:00 Mittwoch 167 h 161'816 10'681 45 kWh 77 kWh 0.41 kW 1.39 kW
27. Apr. 94 08:00 Mittwoch 168 h 161'869 10'761 53 kWh 80 kWh 0.47 kW 1.43 kW
04. Mai. 94 09:00 Mittwoch 169 h 161'904 10'856 35 kWh 95 kWh 0.31 kW 1.69 kW

Mit den aufbereiteten Zählerablesedaten können die Energieverbraucher und das
Benützerverhalten besser identifiziert werden.

6. Schritt: Kurzbericht für Kunden

Wenn alle Abklärungen abgeschlossen und keine offenen Fragen mehr da sind, kann die Auswertung erfolgen und der Massnahmenkatalog in der Form eines Kurzberichtes erstellt werden.

Energieanalyse für Familie Weber

Objekt:

Besuche:

Vermutetes Sparpotential:

Einfamilienhaus neu, 6 Zimmer, 6 Personen, Elektro- + Holzheizung

24. März 1994, 08:00 - 10:00 Uhr und 27. Mai 1994, 10:00 - 12:00 Uhr

Warmwasser

Beurteilung des Energieverbrauchs

Aufgrund der Modellrechnung gemäss VAB-Energieanalyse und der Gespräche anlässlich unserer Besuche kommen wir zu folgender Beurteilung des Energieverbrauchs:

  • Gesamtverbrauch liegt 20% tiefer als vergleichbare Durchschnittsfamilie (Brauchwassererwärmung und Kochen teilweise mit Holz ), Sparpotentiale sind dennoch vorhanden!
  • Überdurchschnittlicher Stromverbrauch für Gefrieren, da Gefriertruhe und Gefrierschrank (nur im Winter).
  • Grosser Stromverbrauch für Elektroheizung.
  • Warmwasser hat trotz Erwärmung mit Holzheizung immer noch einen grossen Anteil am Verbrauch.
  • Überdurchschnittlicher Anteil für Beleuchtung und diverse andere Geräte.

Vorgeschlagene Massnahmen

Sofortmassnahmen:

  • Kühlschrank im Winter ausschalten und Lebensmittel in kaltem Raum (Spense) lagern.
    Sparpotential ca. 150 kWh/a
  • Anschluss Waschmaschine an Warmwasser (siehe nachfolgende Erläuterungen).
    Sparpotential ca. 170 kWh/a
  • Benutzerverhalten: Siehe hierzu die Dokumentationen des BEW und der INFEL sowie das Merkblatt und das Stromsparplakat. Sparpotential ca. 400 kWh/a

Mittelfristige Massnahmen:

  • Sonnenkollektoranlage für die Wassererwärmung (Selbstbauaktivität im Rahmen des Projektes).
    Sparpotential ca. 1600 kWh/a

Langfristige Massnahmen:

  • Beim Kauf von Elektrogeräten den Energieverbrauch mit berücksichtigen.
    Sparpotential ca. 400 kWh/a

Sparpotential insgesamt: 2700 kWh/a

RAVEL - Animation im Val Müstair Provedimaint Electric Val Müstair, Grobanalyse Beispielobjekte

Den Kunden wird ein solcher Kurzbericht über die Energieanalyse abgegeben.

7. Schritt: Fragebogen für die Erfolgskontrolle

Etwa zwei Monate nach Abschluss der Analyse erhalten die Kunden den nachfolgenden Fragebogen, welcher eine wichtige Funktion im Rahmen der Erfolgskontrolle einnimmt. Auf die Bemerkungen der Kunden sollte prompt reagiert werden.

Fragebogen zur Auswertung der Energieberatung

Name:

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Beratungsdatum:

___________

Adresse:

_________________________________________

Energieberater:

___________

Telefon:

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Welches sind Ihre fünf grössten Energieverbraucher und mit welchen Massnahmen können Sie deren Verbrauch senken?

Energieverbraucher Massnahmen Ausgeführt Beabsichtigt Bemerkungen
1. . Ja / Nein Ja / Nein .
2. . Ja / Nein Ja / Nein .
3. . Ja / Nein Ja / Nein .
4. . Ja / Nein Ja / Nein .
5. . Ja / Nein Ja / Nein .

Wenn Sie noch keine Massnahmen ausgeführt haben, gibt es Gründe dafür? Welche?

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Welches waren Ihre Erwartungen? Sind diese erfüllt worden?

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Wünschen Sie weitere Unterstützung durch unsere Mitarbeiter? Wenn ja, wofür?

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Besten Dank für Ihr Interesse und Ihre Mitarbeit. PEM, VA, Juni 95

 


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 © GLOOR ENGINEERING, CH-7434 SUFERS, 24. JULI 1996