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Finanzierung von Energieanlagen

Übersicht:

Konventionelle Finanzierung

Ökokredit
Leasing
Contracting
Mehrwertsteuer
Finanzierungsarten
Rechtsformen von Contracting-Gesellschaften

 

An sich wünschbare Energieanlagen scheitern oft an deren Finanzierung. Einige Gründe dafür:

  • Der Kapitalbedarf insbesondere für Vorfinanzierungen ist gross (aufgrund der Anlagengrösse)
  • Eine grosse Zahl von Beteiligten (Nutzer, Lieferanten und Betreiber)
  • Komplizierte Entscheidungs- und Bewilligungsverfahren (Gemeinden)
  • Die Nutzer beschränken sich auf eigene Kernkompetenzen

Häufig können derartige Anlagen gar nicht konventionell, beispielsweise über ordent-liche Betriebsrechnungen oder Bankkredite, finanziert werden. Hier setzen innovative Finanzierungsmodelle an. Zur Finanzierung von Energieanlagen eignen sich neben der konventionellen Finanzierung das Leasing sowie das Contracting.

 

Finanzierungsart Vorteile Nachteile
Konventionelle Finanzierung Eingespieltes Verfahren Starke Abhängigkeit von der Bonität des Anlageerstellers, für Energieanlagen oft ungeeignet
Ökokredit Günstiger als übliche Kredite, Ökokreditwürdigkeit verbessert öffentliche Akzeptanz Allenfalls einschränkende Rahmenbedingungen (Laufzeit, etc.)
Leasing Je nach Fall mietähnliche Verhältnisse Für komplexe Anlagen wenig geeignet
Contracting Universell in der Anwen-dung, keine Bindung von Kapital für betriebsfremde Aktivitäten Mehrwertsteuerpflicht, allenfalls erhöhter Prüf- und Organisationsbedarf

 Tabelle 1: Konventionelle Finanzierung, Ökokredit, Leasing oder Contracting: vier typische Finanzierungsmög-lichkeiten für Energieanlagen.

 

Konventionelle Finanzierung

Die Bank finanziert in Form von Krediten eine Anlage. Alle Darlehensbedingungen - Betrag, Zinsen und Fristen - sind weitgehend von der Bonität des Darlehensnehmers sowie den anlageseitigen Vertragsbedingungen abhängig. Bei der konventionellen Finanzierung kommt es auch oft vor, dass während der Bauphase der Anlage-hersteller den Kredit aufnimmt und die Anlage bis zur Abnahme durch den Käufer vorfinanziert. Die Eigentumsverhältnisse und damit der Kreditnehmer wechseln erst nach erfolgreicher Abnahme der voll funktionsfähigen Anlage. In anderen Fällen übernimmt der Käufer - der spätere Eigentümer respektive Betreiber - die Kreditfi-nanzierung, oder er leistet zumindest Akonto-Zahlungen. Zur Finanzierung einer Energieanlage kann - wenn auch indirekt - die Erhöhung der Eigenkapitalbasis dienen. Dabei geht die Firma völlig konventionell vor, indem sie ihr Aktienkapital erhöht. Das grössere Eigenkapital bildet die Grundlage zur Aufnahme von zusätzlichem Fremdkapital - Darlehen oder Anleihe - zur Finanzierung der Energieanlage.

 

Ökokredit

Einige Banken bieten sogenannte Ökokredite an, die allerdings an Bedingungen geknüpft sind. Voraussetzungen zur Erlangung eines Ökokredites sind beispielsweise Einrichtungen zur Nutzung erneuerbarer Energie oder besonders energiesparende Bauweisen (Wärmedämmung, etc.). Die Banken halten sich bei der Prüfung der Anträge an Standards unabhängiger Institute oder öffentlicher Stellen (Beispiel: MINERGIE).

 

Leasing - eine Art Miete

In der Familie der Finanzierungsinstrumente sind Leasing und Contracting zwei Geschwister. Beim Leasing überlässt der Geber dem Nehmer das Leasing-Objekt - beispielsweise ein Auto - gegen Entgelt, die Leasing-Rate. Ausschlaggebend für die Risikoverteilung zwischen den beiden Partnern ist das Verhältnis von einer fest vereinbarten, meist mehrjährigen Grundmietzeit zur Lebensdauer des Objektes. Decken sich Mietzeit und Lebensdauer, liegt das Risiko gänzlich beim Leasing-Nehmer. Diese Finanzierung wird im Fachjargon als Financial-Leasing, populär als Miet-Kauf, bezeichnet. Wirtschaftlich betrachtet übernimmt der Nehmer alle Funktionen eines Eigentümers, der Leasing-Geber dagegen die Rolle des Kreditgebers. (Rechtlich bleibt der Geber Eigentümer des Objektes.)

 

Contracting - ein Netzwerk

Eine gezielte Beschränkung auf Kernkompetenzen führt vielfach zu Contracting-Lösungen: Ein Spital betreut Patienten und benötigt dazu Energie; doch der Bau und der Betrieb von Energieanlagen ist „betriebsfremd" und kann ohne Schaden für das „Kerngeschäft" ausgelagert werden. Ähnliche Situationen ergeben sich in Gemeinden, die kollektive Energieanlagen fördern oder daran partizipieren wollen. Denn im Contracting sind sowohl die Finanzierung, die Eigentumsfunktion als auch das Investitionsrisiko - häufig auch die Betriebsführung - ausgelagert und liegen beim Contractor (Contracting-Geber). Der Contracting-Nehmer (Contracting-Partner) vermietet Raum zur Installation einer Energieanlage und bezieht fertige Produkte - Strom, Wärme oder anderes.

Im Contracting sind unzählige Spielarten denkbar, um die Risiken zu verteilen, aber diese Verteilung muss nach den Einflussmöglichkeiten der Risikonehmer erfolgen. Jeder Vetragspartner übernimmt das Risiko, das er am besten handhaben kann. Beispiele:

  • Die Brennstofflieferung für eine Holzfeuerung übernimmt eine Sägerei.
  • Planung, Bau und Betrieb einer Anlage geht an den Anlagehersteller.

Eine ausreichende Wärmeabgabe garantiert eine grosse Liegenschaftenverwaltung oder die Gemeinde (Schulhaus, Altersheim).

  • Das Geld kommt von der Bank, etc.

Alle diese Interessenten können in einem derartigen Netzwerk eingebunden sein. Der Aufbau dieses Netzwerkes ist Sache des Contractors, der Partner (oder Nutzer) ist an einen einzigen Vertrag - mit dem Contractor - gebunden.

Zur rechtlichen Ausgestaltung der Contracting-Gesellschaft stehen verschiedene Formen zur Verfügung (Tabelle). Gemeinsam ist allen Gesellschaftsformen, dass sie einen Pool von Interessenten bilden. Die Praxis, zumindest in der Schweiz, zeigt eine deutliche Bevorzugung der Aktiengesellschaft und der Genossenschaft als Rechtsform des Contractors.

Schliesslich kann beim Contracting nach den Zielen respektive Aufgaben differenziert werden; man unterscheidet:

Das Anlage-Contracting, bei dem der Contractor eine Anlage realisiert oder allenfalls erweitert, in jedem Fall aber finanziert.

Das Performance-Contracting, bei dem der Contractor Energiesparmassnahmen realisiert und den Geldwert der Einsparung als Entgelt erhält (Contracting-Rate).

Das Betriebsführungs-Contracting, bei dem der Contractor eine Anlage in eigener Verantwortung betreibt (Wartung und Unterhalt eingeschlossen).

Selbstverständlich lassen sich die einzelnen Ziele in einem einzigen Contracting kombinieren; beim Anlage- und beim Betriebsführungs-Contracting bringt die Kombination sogar Vorteile, weil dadurch Planung, Projektierung, Inbetriebsetzung und Betrieb einer Anlage in einer Hand vereinigt sind. Spätere Betreiber werden sich vor schlecht geplanten Anlagen hüten! Gewinnorientierung ist ohnehin ein wesentliches Merkmal von Contracting-Bedingungen. Von einer effizienten Betriebsführung oder von einer präzis dimensionierten Energiesparmassnahme profitiert nicht nur der Contractor - aber dieser vor allem. Die Motivation ist ohne Zweifel ein wichtiger Motor der Qualitätssicherung.

 

Contracting-Vorhaben scheitern oft auch an der kritischen Grösse: Für Banken lohnt sich der Aufwand zur Prüfung des Vorhabens erst ab einem Investitionsvolumen über 10 Mio. Franken. Der Umstand, dass die Kreditinstitute in der Regel nicht über das einschlägige Know-how verfügen, um rasch und projektgerecht zu entscheiden, hemmt viele Projekte. Diese hemmenden Faktoren führen häufig zu bankfremden Finanzierungs- oder Refinanzierungsformen. Auch hier kann Contracting eine Hilfe sein.

 

Mehrwertsteuerpflicht als Nachteil

So positiv die Erfahrungen mit Contracting-Projekten im allgemeinen sind, Nachteile hat diese Finanzierungsart auch. Die Leistungen des Contractors sind ausnahmslos mehrwertsteuerpflichtig. Das verteuert schliesslich die Nutzenergie. Immerhin relativiert der konsequente, aber durchaus übliche Vorsteuerabzug den Effekt. Je nach Abrechnungsart kann auch eine verminderte Abzugsmöglichkeit nachteilig sein. Dies ist immer dann der Fall, wenn Leistungen der Partner „bargeldlos", das heisst ohne Fakturierung gegenseitig verrechnet werden. Beispiel: Eine Industriefirma überlässt den Heizungsraum einem Contractor zur Installation der Heizanlage. Die an sich üblichen Investitionsbeiträge werden mit den Raumkosten verrechnet. Diese steuerliche Abzugsmöglichkeit geht die Firma verlustig. Dafür gibt es allerdings, gerade im Sinne der Steueroptimierung, bessere Lösungen.

 

Kostenart Verwendung
Anschlussbeitrag oder Investitionsbeitrag Investition der Anlage (vom eigentlichen Betrieb unabhängige Kosten)
Grundpreis oder Leistungspreis Betrieb und Unterhalt, Instandhaltung und Ersatzinvestitionen (betriebsunabhängige Fixkosten)
Energiepreis oder Arbeitspreis Brennstoffkosten und betriebsabhängige Kosten für Wartung und Unterhalt

 Tabelle 2: Systematik einer Contracting-Rate

 

Rechtsform Vorteile Nachteile
Genossenschaft Einfach in der Gründung und in der Rechnungslegung Bei Banken unbeliebt (keine Eigenkapitalpflicht)
Aktiengesellschaft Allseits akzeptierte Rechtsform (wichtig bei Refinanzierung). Haftungsbeschränkung. Aktien sind einfach handelbar. Komplizierte Gründung, Rechnungslegung und Revision. Eigenkapitalpflicht.
Zweckverband   Kompliziertes Verfahren (Gemeindabstimmungen)
Stiftung   Öffentlich-rechtliche Organisationsform, hohe Anforderungen

Tabelle 3: Rechtsformen für Contracting-Gesellschaften.

 

Finanzierung von Energieanlagen (3 Varianten)
 

Konventionelle Finanzierung

Leasing

Projektfinanzierung oder Contracting

Leistungsumfang

Finanzierung

Planung

Bau

Betrieb und Management

Service

X

 

 

 

 

 

X

X

 

 

 

 

 

X

X

X

X

 

X

Kapitalgeber Bank (Fremdkapital) Energienutzer (Eigenkapital) Leasinggesellschaft Bank (Fremdkapital) Lieferanten, Abnehmer, Dritte (Eigenkapital)
Eigentümer Energienutzer Leasinggesellschaft Betreibergesellschaft
Gegenstand der Zahlungen des Energienutzers (und Kauf der Primärenergie) Zinsen, Amortisation (und Kauf der Primärenergie) Leasingzins (Annuität) Vertrglich vereinbarter Energiepreis (Kauf von Resultaten, z.B. Wärme)

Tabelle 4: Finanzierung von Energieanlagen


© Wasser- und Energiewirtschaftsamt des Kantons Bern, 1-3

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