Energiesparmöglichkeiten in Sägereien
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© GLOOR ENGINEERING, CH-7434 SUFERS, 7. JULI 1996
Die Sägereien der Schweiz benötigen für die Verarbeitung von 2 Millionen Festmeter ( 1 fm = 1 m³ Rundholzeinschnitt) etwa 60 Millionen kWh Strom pro Jahr. Dafür bezahlen sie 12 Millionen Franken an die Elektrizitätswerke (Durchschnittspreis 0.20 Fr./kWh). Die spezifischen Stromkosten pro Festmeter sind recht unterschiedlich:
Verteilung der spezifischen Stromkosten in 95 schweizerischen Sägereien.
In den untersuchten Betrieben liegt im Bereich Sägerei der spezifische Stromverbrauch bei 6 bis 21 kWh/fm. Er variiert um den Faktor 4 und grössere Sägereien sind im Mittelfeld. Angesichts dieser Unterschiede sind erhebliche Stromsparmöglichkeiten zu erwarten.

Vergleich des spezifischen Stromverbrauchs "Sägerei" von 13 Sägewerken.
Der Wärmeverbrauch ist im allgemeinen für eine Sägerei kein Thema, weil kein Mangel herrscht. Alle untersuchten Betriebe bezogen ihre Wärme aus den eigenen Holzabfällen, jeder Zweite versorgt mit der Holzheizung zusätzlich betriebsfremde Objekte mit Wärme. In einer üblichen Sägerei ist die Werkhalle nicht beheizt, hingegen die Werkstatt und das Büro. Am meisten Wärme benötigt die technische Holztrocknung.
Von Interesse, und darum auch Thema der folgenden Ausführungen, ist die Elektrizität. Bei der Grobanalyse versuchte man Ende 1995 mit Messungen den Stromverbrauch der einzelnen Maschinen zu bestimmen. Dazu wurden mit einem Leistungsmessgerät die Abgänge im Verteilschrank gemessen. Als Messgerät diente ein EMU 3.x7 mit drei Stromzangen vom Typ LEM 125/250/500A. Bei der Messung nahm man die Leistung der Anlagen im Leerlauf und im Betrieb auf. Bei unterschiedlichen Lastzuständen wurde die Energieaufnahme über einen Zyklus gemessen und dann durch die Zykluszeit geteilt. Foto: Der Autor am messen. Die mittlere Leistungsaufnahme unter Last war bei allen Bearbeitungsanlagen tiefer (oft weniger als die Hälfte) als die Nennleistung der Motoren. Bei einigen Installationen konnte nicht festgestellt werden, welche Leitungen zu welcher Maschine gehören. Bei den grösseren Maschinen sind oft für den Hauptantrieb und die zugehörige Mechanisierung mehrere Abgänge vorhanden.
Anhand von Beobachtungen und Befragungen im Betrieb wurde abgeschätzt, wie gross der Lastanteil ist. Bei den meisten Anlagen konnte festgestellt werden, dass sie oft auch im Leerlauf liefen (Unterbrüche im Betriebsablauf). Zusammen mit den jährlichen Betriebsstunden errechnete man mit diesen Werte der jährliche Energieverbrauch der einzelnen Maschinengruppen. Die einzelnen Werte wurden dann soweit angepasst, bis der errechnete Stromverbrauch dem wirklichen Jahresverbrauch entsprach.
Die Leistungen aller Maschinen wurde zusammengezählt. Die Summe musste grösser als die wirkliche Spitzenlast sein. Aus dem Verhältnis Summe der Maschinenleistungen zur Spitzenlast kann abgeschätzt werden, welche Maschinen gleichzeitig laufen und welches Sparpotential für ein Spitzenlastmanagement vorhanden ist.
Ein Vergleich der verschiedenen Maschinen anhand der Leistungsaufnahme unter Last ist schwierig, weil dazu der Werkzeugzustand, die Holzqualität und die Betriebswerte festgelegt werden müssten. Die interessante Grösse ist aus diesem Grund die Leerlaufleistung. Mit ihr lässt sich die energetische Qualität der verschiedenen Anlagen vergleichen.
Die Resultate der Stromverbrauchsmessung wurden für jede Sägerei separat in einer Tabelle dargestellt und mit dem Betriebsleiter besprochen. Es wurde versucht, pro Bereich den spezifischen Stromverbrauch zu ermitteln. Es wäre nun aber falsch, daraus das konkrete Stromsparpotential für den einzelnen Betrieb abzuleiten. Zu viele Parameter beeinflussen die Sanierungsmöglichkeiten, allen voran die Wirtschaftlichkeit. Für eine weitere Differenzierung der Vergleichswerte müsste eine grössere Anzahl von Betrieben untersucht und eine kompliziertere Struktur aufgebaut werden.
Der spezifische Stromverbrauch (kWh/fm und kWh/m³) eignet sich aber für die Orientierung. Er kann für die Betriebsführung (Stichwort Energiebuchhaltung) und als Richtgrösse bei Sanierungen und Neuanlagen herangezogen werden.
Am einzelnen Betrieb kann aber aufgezeigt werden, für was wieviel Strom gebraucht wird. Im folgenden werden die Messergebnisse von drei Sägereien gezeigt:
| Betrieb 1 | Messung | Energie | |||||
| Anlage | Betriebsstunden | Last | Leerlauf | Lastanteil | Leerlauf | Total | Anteil |
| Einheit | h/a | kW | kW | % | kWh/a | kWh/a | % |
| Sägerei | 6'600 fm/a = 19 kWh/fm | 62'391 | 123'773 | 46% | |||
| Sortierwagen | 800 | 20 | 9 | 80% | 1'440 | 14'240 | 5% |
| Entrindung | 300 | 13 | 9 | 90% | 270 | 3'834 | 1% |
| Rindenmühle | 300 | 12 | 6 | 90% | 165 | 3'405 | 1% |
| Blockbandanlage | 1'950 | 30 | 6 | 30% | 8'190 | 25'740 | 10% |
| Mechanisierung | 1'950 | 14 | 6 | 10% | 9'653 | 12'383 | 5% |
| Besäumer | 1'250 | 15 | 5 | 30% | 4'375 | 10'000 | 4% |
| Sägemehlventilator | 1'950 | 14 | 14 | 20% | 21'372 | 26'715 | 10% |
| Hackanlage | 1'300 | 27 | 19 | 30% | 16'926 | 27'456 | 10% |
| Trocknen | 2'000 m³/a = 54 kWh/m³ | 48'900 | 108'300 | 40% | |||
| Trocknungsanlage | 7'800 | 12 | 12 | 50% | 46'800 | 93'600 | 35% |
| Heizung | 3'000 | 14 | 1 | 30% | 2'100 | 14'700 | 5% |
| Nachbearbeitung | 1'300 m³/a = 12 kWh/m³ | 1'350 | 15'600 | 6% | |||
| Diverse | 10'902 | 22'327 | 8% | ||||
| Summe | 293 | 125 | 123'543 | 270'000 | 100% | ||
| Elektrizitätswerk | 75 kFr. | 160 | Spitze | 270'000 | Arbeit | ||
Eine Sägerei welche 6600 fm im Jahr auf der Blockbandanlage sägt. Die Entsorgung (Sägemehlventilator und Hackanlagen) brauchen mehr Strom als die Blockbandanlage und der Besäumer.
| Betrieb 2 | Messung | Energie | |||||
| Anlage | Betriebsstunden | Last | Leerlauf | Lastanteil | Leerlauf | Total | Anteil |
| Einheit | h/a | kW | kW | % | kWh/a | kWh/a | % |
| Sägerei | 4'000 fm/a = 9 kWh/fm | 7'540 | 36'340 | 26% | |||
| Rundholzförderer | 100 | 6 | 2 | 20% | 120 | 240 | 0% |
| Gattersäge | 600 | 36 | 18 | 70% | 3'240 | 18'360 | 13% |
| Besäumer | 600 | 20 | 8 | 60% | 1'800 | 9'000 | 6% |
| Sägemehlventilator | 600 | 14 | 13 | 70% | 2'340 | 8'220 | 6% |
| Hackanlage | 100 | 6 | 2 | 80% | 40 | 520 | 0% |
| Trocknen | 1'000 m³/a = 90 kWh/m³ | 9'104 | 90'464 | 65% | |||
| Nachbearbeitung | 600 m³/a = 14 kWh/m³ | 847 | 8'692 | 6% | |||
| Diverse | 1'100 | 3'300 | 2% | ||||
| Summe | 256 | 71 | 18'591 | 138'796 | 100% | ||
| Elektrizitätswerk | 33 kFr. | 190 | Spitze | 140'000 | Arbeit | ||
Für 4000 fm/a auf dem Gatter wird relativ wenig Strom benötigt, dafür sehr viel für die Holztrocknung.
| Betrieb 3 | Messung | Energie | |||||
| Anlage | Betriebsstunden | Last | Leerlauf | Lastanteil | Leerlauf | Total | Anteil |
| Einheit | h/a | kW | kW | % | kWh/a | kWh/a | % |
| Sägerei | 4'200 fm/a = 21 kWh/fm | 21'400 | 87'000 | 70% | |||
| Sortierwagen | 500 | 20 | 8 | 80% | 800 | 8'800 | 7% |
| Gattersäge | 1'000 | 50 | 30 | 80% | 6'000 | 46'000 | 37% |
| Besäumanlage | 800 | 15 | 10 | 30% | 5'600 | 9'200 | 7% |
| Sägemehlventilator | 1'000 | 10 | 10 | 80% | 2'000 | 10'000 | 8% |
| Hackanlage | 500 | 40 | 20 | 30% | 7'000 | 13'000 | 10% |
| Trocknen | 1'000 m³/a = 26 kWh/m³ | 12'000 | 25'600 | 20% | |||
| Nachbearbeitung | 420 m³/a = 21 kWh/m³ | 1'560 | 8'700 | 7% | |||
| Diverse | 1'300 | 3'700 | 3% | ||||
| Summe | 238 | 99 | 36'260 | 125'000 | 100% | ||
| Elektrizitätswerk | 30 kFr. | 120 | Spitze | 125'000 | Arbeit | ||
Die hohen Betriebsstunden auf der Gattersäge für 4200 fm/a verursachen einen überdurchschnittlichen Stromverbrauch, dafür wird relativ wenig für die Ventilatoren der Holztrocknungsanlage benötigt.
Die Sägewerke wurden in die Bereiche Sägerei, Trocknen, Nachbearbeitung und Diverse unterteilt. In den Bearbeitungsstufen werden je nach Betrieb unterschiedliche Holzmengen und Qualitäten verarbeitet.

Typischer Stromverbrauch bei holzverarbeitenden Betrieben.
Zählt man den Stromverbrauch der Infrastruktur (Sortierwagen, Entsorgung, Trocknen ...) ab, so macht die eigentliche Holzbearbeitung (entrinden, sägen, besäumen, hobeln) nur noch etwa 20% aus. Zieht man davon noch die Verluste in den Maschinen (Leerlaufverluste) ab, so benötigt der eigentliche Prozess nur rund 10% des Stromverbrauchs einer Sägerei.
Wenn die eigentliche technische Prozessenergie nur einen Bruchteil des Stromverbrauchs ausmacht, so ist physikalisch gesehen mit erheblichen Energiesparmöglichkeiten zu rechnen.
Die bisherigen Auswertungen zeigen nur den Stromverbrauch pro Bereich, sie geben aber keine konkreten Hinweise auf die Energiesparmassnahmen. Wichtig für die Umsetzung sind die Ergebnisse, welche aus der Beobachtung in den Betrieben, den Messungen und den Diskussionen in der ERFA gezogen werden können.
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