Das Minergie - Haus

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4. KONZEPTE FÜR ALTBAUTEN

4.1 Das Vergleichsobjekt

Die meisten Bauten, welche heute zur Erneuerung anstehen, stammen aus den 50er bis 70er Jahren. Dementsprechend wird die Vergleichbasis definiert. Wir verwenden das gleiche 5-Familienhaus wie für die Neubauten, allerdings mit dem technischen Standard der 60er Jahre (vgl. Kasten).

Energiebezugsfläche EBF = 800 m²
Gebäudehülle A nach SIA 180/1 = 1200 m²
A/EBF = 1.50
Fensterorientierung: 40%S, 50%O+W, 10%N
Fenster: k = 3.0 W/m²K g = 77%
Heizenergiebedarf QH = 640 MJ/m²a
Energie für Warmwasser QWW= 100 MJ/m²a
Bewertete Energiekennzahl *EW = 780 MJ/m²a
MINERGIE-Grenzwert: *EW 320 MJ/m²a

Sanierungsbedarf: etwa -60%

Wichtigste Merkmale des Vergleichsobjekts
Definition der üblichen Bauweise der 50er und 60er Jahre
Architektur
Gebäudeform (A/EBF)
Fensterfläche
Rahmenanteil
Fensterorientierung
Beschattung der Südfenster
EFH = 1.75 MFH = 1.5
15 % der Energiebezugsfläche
30 % der Fensterfläche
40 % S, 50 % O+W, 10 % N
EFH = 25 % MFH = 50 %
Gebäudehülle
            
Kellerdecke
Aussenwände
Dächer (meist nicht luftdicht)
Fensterrahmen (meist o. Dichtung)
Fensterverglasung

Dämmung
2 cm
2 cm
4 cm
Holz 6 cm
DV oder IV-Luft

k (W/m²K)
1.2
0.8
0.7
2.6
3.0 (g=77%)
Haustechnik
Lüftung
Wärmeerzeugung
Wärmeverteilung
Warmwasser
Ritzen und Fenster
Ölkessel
Bodenheizung oder Heizkörper
Öl-Kombikessel
Energiebedarf
             
Heizenergie

Warmwasser (380/1)
Haushaltstrom (380/1)

      
Qh
Qww
Qe

EFH
169
17
22
       
607
60
80
MFH
149
28
28
     
536
100
100
Energiekennzahlen
      
Heizung
Warmwasser (ohne El.)
Strom (inkl. Anteil WW)

      
EH
EWW
EE

EFH
188
19
22

      
675
67
80

MFH
167
30
28

     
600
111
100
Bewertete Energiekennzahl
       
Wärme (Strom 2x)

      
*EW

EFH
206

      
741

MFH
196

      
707

 

4.2 Die Massnahmen

Einige Optimierungsmassnahmen für Neubauten können unverändert auf Sanierungsobjekte angewandt werden und erzielen dabei etwa die gleiche Wirkung wie bei Neubauten (vgl. Kasten).

Gerade von den bei Neubauten besonders erfolgreichen Massnahmen kommen jedoch einige bei Altbausanierungen meistens nicht in Frage, vor allem natürlich die architektonischen Massnahmen.

Die meisten Massnahmen können zwar übernommen werden, haben aber eine andere (meist stärkere) Wirkung als bei Neubauten. Der Grund liegt beim veränderten Ausgangspunkt: Je schlechter der Ausgangszustand, desto grösser die Wirkung.

Einige Massnahmen kommen neu hinzu. Sie beziehen sich Wärmebrücken, wie sie bei Altbauten häufig anzutreffen sind. Sie werden im nächsten Abschnitt kurz besprochen.

Die Angaben zur Wirkung der Sanierungsmassnahmen, vor allem der baulichen, sind als Näherung zu verstehen. Viele Unbekannte beeinflussen das Resultat. Eine genaue Berechnung ist nur am konkreten Objekt möglich.

Anwendbarkeit von Neubaumassnahmen auf Altbausanierungen
Unverändert anwendbar Fensterrahmen
Rahmenanteil der Fenster Lufterneuerungsanlagen
Solarzellen
Brauchwassererwärmung
Nicht anwendbar Gebäudeform
Gebäudeorientierung
Fensterfläche
Fensterorientierung
Anwendbar, andere
Wirkung
Alle übrigen
Neubaumassnahmen
Zusätzliche Massnahmen Winddichtungen
Neue Balkone
Balkonverglasungen
Fenstersanierungen
Rohrisolierungen
 

4.3 Die Balkone

Die meisten Wärmebrücken an Altbauten (Deckenauflager, Stürze, Brüstungen...) verschwinden durch das Anbringen einer äusseren Fassadendämmung von selbst. Sie werden deshalb hier nicht näher behandelt. Die schwierigste Wärmebrücke sind jedoch meist die Balkonplatten, welche früher in einem Guss mit den Geschossdecken betoniert wurden und wie Kühlrippen wirken. Um diese Schwachstelle zu beseitigen, gibt es zwei Alternativen:

Die alten Balkonplatten abbrechen und durch neue, thermisch getrennt vor die Fassade gestellte Balkone ersetzen.
Die Balkone durch eine verandenartige, wärmedämmende Verglasung vom Aussenklima trennen.

Sanierungspotential: bis zu 5 %

Siehe  

Verbesserung

*EH

Abs.

 

von

auf

kWh
m²a

MJ
m²a

%

1.2 Das Vergleichsobjekt    

198

714

100%

2.1 Architektonische Einzelmassnahmen
2.1.8 Rahmenanteil 30% 25%

2

6

1%

 

% der Fensterfläche

  20%

3

11

2%

4.3 Balkone auskragend getrennt

2

7

1%

4.3 Balkonverglasung keine k=3.0

6

20

3%

      k=1.5

8

30

4%

2.2 Bautechnische Einzelmassnahmen
2.2.1 Dämmung der Kellerdee k=1.20 k=0.55

16

57

8%

      k=0.30

20

73

10%

      k=0.20

23

81

11%

2.2.1 Dämmung der Fassade k=0.80 k=0.35

38

135

19%

      k=0.20

50

180

25%

      k=0.15

54

195

27%

2.2.1 Dämmung des Dachs und Einbau einer Winddichtung k=0.70 k=0.30

15

55

8%

    k=0.15

21

76

11%

      k=0.12

22

80

11%

2.2.2 Verglasung k/g 3.5/77% 1.3/65%

14

52

7%

      1.1/65%

16

59

8%

      0.8/52%

16

56

8%

2.2.3 Fensterrahmen k=2.6 k=2.3

1

5

1%

      k=2.1

3

9

1%

4.4 Fenstersanierung k=3.0.6 k=1.8

9

33

5%

      k=1.2

11

39

5%

  Aussentüren, Storenkästen... k=1.8 k=0.7

3

9

1%

      k=0.4

3

11

2%

2.3 Haustechnische Massnahmen
2.3.1 Lufterneuerungsanlage Fenster h = 75%

33

117

16%

4.5 Isolation der Heizungsrohre keine 3 cm

6

23

3%

      4 cm

8

30

4%

2.3.4 Kondens. Öl- oder Gaskessel h = 90% h = 100%

20

72

10%

2.3.5 Wärmepumpe Luft-Wasser Öl+Elektr. JAZ=2

17

61

9%

  (ohne WW) Sole-Wasser   JAZ=4 ¹)

92

332

46%

  Wasser-Wasser   JAZ=6 ²)

117

422

59%

2.3.6 Wärme-Kraft-Kopplung Öl+Elektr.  

45

163

23%

2.3.7 Solarzellen Öl+Elektr. 50m²

14

51

7%

2.3.8 Warmwasser Kombination Öl+Elektr. Öl kondens.

11

40

6%

 

3

  Ö+E+Solar

19

69

10%

 

4

  Ö+E+WRG

16

56

8%

 

6

  Öl+WP

12

44

6%

 

10

  Öl+Solar

23

84

12%

 

11

  Öl+WRG

20

73

10%

 

17

  WP

20

73

10%

 

18

  WP+Solar

29

106

15%

 

19

  WP+WRG

28

100

14%

¹) Nur erreichbar mit optimaler Wärmedämmung oder Luft-
erneuerungsanlage (vgl. 2.3.2)
²) Nur erreichbar mit optimaler Wärmedämmung und Luft-
erneuerungsanlage


4.4 Fenster

Schlecht unterhaltene Holzfenster müssen ersetzt werden. In diesem Fall können die *E-Zahlen für Neubauten unverändert übernommen werden.

Wenn die Rahmen noch in gutem Zustand sind, genügt es oft, die äussere Scheibe durch ein IR-reflektierendes Glas oder sogar durch ein Wärmeschutzelement zu ersetzen und die Falzdichtungen zu erneuern bzw. neu einzubauen.

Sanierungspotential: bis zu 5 %


4.5 Heizungsrohre

Das Nachisolieren von ungedämmten Heizungsrohren in unbeheizten Räumen ist eine wirksame und kostengünstige Massnahme.

Sanierungspotential: bis zu 5 %


4.6 Die Einzelmassnahmen

Die in der nebenstehenden Tabelle angegebenen Resultate werden dann erzielt, wenn die betreffende Massnahme als erste Verbesserung des Vergleichsobjekts angewandt wird. In Kombination mit anderen Massnahmen können sich die Wirkungen gegenseitig stark beeinflussen.

Die Angaben dienen als Hilfe zur Erarbeitung sinnvoller Konzepte. Sie können natürlich für ein konkretes Objekt nicht die detaillierte Energiebilanz ersetzen.

 

4.7 Die Massnahmenpakete

Das weitere Vorgehen ist gleich wie bei den Neubauten. Auch hier können zusammengehörige Massnahmen zu sinnvollen Paketen zusammengefasst werden. Deren Anwendung ist jedoch nicht zwingend. Bei Altbauerneuerungen können die Pakete oft aus technischen, finanziellen oder ästhetischen Gründen (Denkmalschutz!) nur teilweise verwirklicht werden.

Massnahmenpakete

Verbesserung

D *EW

  

von

auf

kWh
m²a

MJ
m²a

%

Das Vergleichsobjekt   
         

198

714

100%

Wärmedämmung I   
Dämmung der Kellerdecke k=1.20 k=0.55

16

56

  
Dämmung der Fassade k=0.80 k=0.35

38

135

  
Dachdämmung+Winddichtung k=0.70 k=0.30

15

54

  
Storenkasten, Aussentüren...      

2

8

  
        

70

253

35%

Wärmedämmung II   
Dämmung der Kellerdecke k=1.20 k=0.30

20

73

  
Dämmung der Fassade k=0.80 k=0.20

49

178

  
   k=0.70 k=0.15

20

73

  
Storenkasten, Aussentüren...      

3

10

  
        

94

334

47%

Wärmedämmung III   
Dämmung der Kellerdecke k=1.20 k=0.20

23

81

  
Dämmung der Fassade k=0.80 k=0.15

54

193

  
   k=0.70 k=0.12

21

76

  
Storenkasten, Aussentüren...      

3

11

  
        

100

361

51%

Fenster I   
Die Verglasung (k/g) 3.0/77% 1.3/65%

14

52

  
Der Fensterrahmen k=2.6 k=2.3

1

5

  
        

16

57

8%

Die Zahlen in dieser Tabelle können von den vorigen Tabellen abweichen, weil die kombinierten Massnahmen sich gegenseitig beeinflussen.

 

4.8 Die architektonischen Massnahmen

Von den architektonischen Massnahmen sind für Altbauten leider nur noch zwei übriggeblieben, nämlich der Fensterrahmenanteil (sofern die Fenster überhaupt ersetzt werden müssen) und die Balkone. Sie können als Einzelmassnahmen direkt in die Sanierungskonzepte übernommen werden.

 

4.9 Die bautechnischen Massnahmen

Die bautechnischen Massnahmenpakete sind analog zum Neubau zusammengestellt. Allerdings ist ihre Wirkung viel grösser, weil der Anfangszustand schlechter ist.

 

4.10 Die haustechnischen Massnahmen

Unter der Annahme, dass die Haustechnik bei den meisten Altbausanierungen total erneuert werden muss, unterscheiden sich die diesbezüglichen Einzelmassnahmen nur unwesentlich von den Neubauten. Die Bildung von Paketen drängt sich nicht auf.

 

4.11 Konzepte

Was schon bei den Neubauten festgehalten wurde, gilt bei Sanierungen erst recht: Das Sanierungskonzept muss für jedes Objekt individuell zusammengestellt werden. Die in der Tabelle dargestellten Konzepte sind wiederum als Beispiele zu verstehen.

Normalerweise soll zuerst das Gebäude saniert werden, und erst dann die Haustechnik. Im umgekehrten Fall wäre die Haustechnik nach der späteren Gebäudesanierung überdimensioniert.

Das Konzept 1 beschränkt sich auf bauliche Massnahmen. Weil der Grenzwert für Altbauten doppelt so hoch ist wie für Neubauten, kann damit allein bereits der MINERGIE-Standard erfüllt werden.

Das Konzept 2 eignet sich für die Verbesserung eines relativ neuen Gebäudes, welches baulich in gutem Zustand ist, aber dessen Haustechnik erneuerungsbedürftig ist, oder als zweite Etappe für ein Haus, welches baulich bereits saniert wurde.

Das Konzept 3 ist eine häufig angewandte Kombination, welche sich durch ein sehr gutes Kosten/Nutzen-Verhältnis auszeichnet.

Einzelmassnahmen bzw.
Massnahmenpakete

D *EW

D *EW

kWh
m²a

MJ
m²a

kWh
m²a

MJ
m²a

Konzept 0: Ist-Zustand     
         

198

714

        

Konzept 1: Gebäude     
Wärmedämmung III 93 334      380
Fenster I 19 67

87

313
Konzept 2: Haustechnik     
Lufterneuerungsanlage

35

127

    

587
Sole-Wasser-WP (JAZ=4)

73

262

    

325
Rohrisolation

6

23

84

302
Konzept 3: Kosten     
Wärmedämmung I

70

253

    

461
Fenster I

9

33

    

428
Lufterneuerungsanlage

31

112

88

316

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© WebVersion by Oerlikon Journalisten AG, Juni 98
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