Das Minergie - Haus

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3. KONZEPTE FÜR NEUBAUTEN

3.1 Das Vergleichsobjekt

Als Bezugsbasis für alle Optimierungen dient ein kleines, freistehendes Mehrfamilienhaus, dessen Daten etwa in der Mitte zwischen einem Einfamilienhaus und einem grossen oder angebauten MFH liegen. Die Abweichungen liegen innerhalb der Ungenauigkeit, sodass die Resultate - mit Ausnahme des Warmwassers - auf beide Gebäudearten anwendbar sind.

Wichtigste Merkmale des Vergleichsobjekts:

Die Konstruktionen und Kennzahlen entsprechen dem üblichen Baustandard (vgl. 1.2).

2 Vollgeschosse + 2 Dachgeschosse
5 Wohnungen

Energiebezugsfläche EBF = 800 m²
Gebäudehülle A nach SIA 180/1 = 1200 m²
A/EBF = 1.50

50% der Südfenster durch Balkone beschattet
Fensterfläche = 15% der EBF
Rahmenanteil = 30% der Fensterfläche
Fensterorientierung: 40%S, 50%O+W, 10%N
Fenster: k = 1.3 W/m²K g = 65%

Heizenergiebedarf QH = 270 MJ/m²a
Energie für Warmwasser QWW= 100 MJ/m²a
Bewertete Energiekennzahl *EW = 437 MJ/m²a

3.2 Die Einzelmassnahmen

Die Tabelle fasst die wichtigsten Einzelmassnahmen zusammen.

Die angegebenen Resultate werden dann erzielt, wenn die betreffende Massnahme als erste Verbesserung des Vergleichsobjekts angewandt wird. In Kombination mit anderen Massnahmen können sich die Auswirkungen gegenseitig stark beeinflussen.

Die Angaben dienen als Hilfe zur Erarbeitung sinnvoller Konzepte. Sie können natürlich für ein konkretes Objekt nicht die detaillierte Energiebilanz ersetzen.

Siehe  

Verbesserung

*EH

Abs.

 

von

auf

kWh
m²a

MJ
m²a

%

1.2 Das Vergleichsobjekt    

121

437

100%

2.1 Architektonische Einzelmassnahmen
2.1.1 Gebäudeform
A/EBF
1.50 1.25
1.00

9
18

33
66

8%
15%

2.1.4 Beschattung
% der Südfenster
50% 25%
0%

2
4

7
13

2%
3%

2.1.8 Rahmenanteil
% der Fensterfläche
30% 25%
20%

2
4

8
16

2%
4%

2.1.5 Fensterorientierung
Süd / West+Ost / Nord
40/50/10 60/30/10
80/20/0

0
1

0
3

0%
1%

2.1.7 Fensterfläche
% der EBF
15% 20%
25%

-1
-2

-3
-6

-1%
-1%

2.2 Bautechnische Einzelmassnahmen
2.2.1 Dämmung der Kellerdecke k=0.55 k=0.40
k=0.30
k=0.20

2
4
6

7
15
23

2%
3%
5%

2.2.1 Dämmung der Fassade k=0.35 k=0.25
k=0.20
k=0.15

8
12
16

29
43
58

7%
10%
13%

2.2.1 Dämmung des Dachs k=0.30 k=0.20
k=0.15
k=0.12

4
6
7

13
20
24

3%
5%
5%

2.2.2 Verglasung           k/g 1.3/65% 1.1/65%
0.8/52%

2
1

7
5

2%
1%

2.2.3 Fensterrahmen k=2.6 k=2.3
k=2.1

1
2

5
8

1%
2%

2.3 Haustechnische Massnahmen
2.3.1 Lufterneuerungsanlage Fenster = 75%

31

110

25%

2.3.4 Kondens. Öl- oder Gaskessel = 90% = 100%

10

37

8%

2.3.5 Wärmepumpe Luft-Wasser Öl+Elektr. JAZ=2

10

37

8%

(Heizung) Sole-Wasser   JAZ=4 ¹)

46

164

38%

Wasser-Wasser   JAZ=6 ²)

58

209

48%

2.3.6 Wärme-Kraft-Kopplung Öl+Elektr.  

24

85

19%

2.3.7 Solarzellen Öl+Elektr. 50m²

14

51

12%

2.3.8 Warmwasser Kombination Öl+Elektr. Öl kondens.

11

40

9%

 

3

  Ö+E+Solar

19

69

16%

 

4

  Ö+E+WRG

16

56

13%

 

6

  Öl+WP

12

44

10%

 

10

  Öl+Solar

23

84

19%

 

11

  Öl+WRG

20

73

17%

 

17

  WP

20

73

17%
 

18

  WP+Solar

29

106

24%

 

19

  WP+WRG

28

100

23%

            

¹) Nur erreichbar mit optimaler Wärmedämmung oder Lufterneuerungsanlage
²) Nur erreichbar mit optimaler Wärmedämmung und Lufterneuerungsanlage

 

 
3.3 Die Massnahmenpakete

Die baulichen Massnahmen lassen sich zu Gruppen oder Paketen zusammenfassen. Damit werden

die Konzepte einfacher und übersichtlicher.
zusammengehörige Massnahmen aufeinander abgestimmt. Es wäre beispielsweise wenig sinnvoll, die Südfenster zu vergrössern, ohne die Beschattung zu verringern, die Fassade viel stärker zu isolieren als das Dach, ein hochisolierndes Wärmeschutzglas ohne wärmedämmenden Randverbund zu verwenden etc.
Massnahmenpakete

Verbesserung

Delta*EW

 

von

auf

kWh
m²a

MJ
m²a

%

Das Vergleichsobjekt          
 

121

437

100%

Fassadengestaltung I          
Beschatt'g d. Südfenster
Rahmenanteil
Vergrösser'g d. Südf'er
50%
30%
40/50/10
25%
25%
60/30/10

2
2
1

7
8
4

 
 

5

19

4%

Fassadengestaltung II          
Beschatt'g d. Südfenster
Rahmenanteil
Vergrösser'g d. Südf'er
50%
30%
40/50/10
0%
20%
80/20/0

4
5
5

13
18
17

 
 

13

48

11%

Wärmedämmung I          
Dämmung der Kellerdecke
Dämmung der Fassade
Dämmung des Dachs
Storenkasten,Aussentüren
k=0.55
k=0.35
k=0.30
k=0.40
k=0.25
k=0.20

2
8
4
1

7
30
13
2

 
 

17

52

12%

Wärmedämmung II          
Dämmung der Kellerdecke
Dämmung der Fassade
Dämmung des Dachs
Storenkasten,Aussentüren
k=0.55
k=0.35
k=0.30
k=0.30
k=0.20
k=0.15

4
12
5
1

15
44
19
3

 
 

23

81

19%

Wärmedämmung III          
Dämmung der Kellerdecke
Dämmung der Fassade
Dämmung des Dachs
Storenkasten,Aussentüren
k=0.55
k=0.35
k=0.30
k=0.20
k=0.15
k=0.12

6
16
7
1

23
57
24
4

 
 

30

108

25%

Fenster I          
Die Verglasung (k/g)
Der Fensterrahmen
1.3/65%
k=2.6
1.1/65%
k=2.3

2
1

7
5

 
 

3

12

3%

Die Zahlen in dieser Tabelle können von der vorigen Tabelle abweichen, weil die kombinierten Massnahmen sich gegenseitig beeinflussen.

 

3.4 Die architektonischen Massnahmen

Die Gebäudeform kann als Einzelmassnahme direkt in die Konzepte übernommen werden. Die Beschattung, Orientierung und Gestaltung der Fenster sind in zwei Anspruchsstufen in den Paketen Fassadengestaltung I und II zusammengefasst.

Gemeinsames Merkmal der architektonischen Massnahmen ist, dass sie keine Kosten verursachen, im Gegenteil. Die Abstufung bezieht sich auf die Gestaltungsfreiheit des Entwerfers:

Das Paket I schränkt wenig ein. Es genügt, wenn man in der Projektphase die Energieaspekte nicht völlig ausser Acht lässt.
Die Massnahme "Gebäudeform" und das Paket II beeinflussen den Entwurf wesentlich.
 

3.5 Die bautechnischen Massnahmen

Die Wärmedämmung aller Bauteile sollte ähnlich sein, Flächen gegen das Erdreich und gegen unbeheizte Räume etwas weniger, das Dach etwas mehr. Die Stufen I bis III ermöglichen die Anpassung an individuelle Kosten/Nutzen-Überlegungen.

Die Fensterverglasung kann als Einzelmassnahme variiert werden. Im Paket Fenster I ist sie kombiniert mit einer Verbesserung des Rahmens, z.B. durch einen wärmedämmenden Randverbund.

 

3.6 Die haustechnischen Massnahmen

Die Lufterneuerungsanlage und die Wärmeerzeugung können als Einzelmassnahmen eingesetzt werden. Für die Brauchwassererwärmung sind 20 Massnahmenkombinationen im Abschnitt 2.3.8 zusammengestellt.

 

3.7 Konzepte

Es führen viele Wege zum MINERGIE-Haus. Ein paar mögliche Beispiele sind hier zusammengestellt. Die optimale Kombination für Ihr konkretes Objekt ist wahrscheinlich nicht darunter. Lassen Sie also Ihrer Kreativität freien Lauf...
      

Die Namen der 5 Beispiele sagen schon,
nach welchen Prioritäten sie zusammengestellt sind:
Einzelmassnahmen bzw. Massnahmen- pakete

Verbes-
serung

*EW

*EW

von

auf

kWh
m²a

MJ
m²a

kWh
m²a

MJ
m²a

Konzept 0:
Vergleichsobjekt
    
    

121

437

Das Konzept 1 befolgt den Grundsatz:
"Lieber eine konventionelle Heizung in
einem fortschrittlichen Haus als um-
gekehrt." Eine alternative Wärme-
erzeugung lässt sich jederzeit nachrüsten.
Eine Nachbesserung des Gebäudes ist hingegen sehr aufwendig.
Konzept 1:
Gebäude
     
Gebäudeform
Fassadengestaltung II
Wärmedämmung III
Fenster I
Lufterneuerungsanlage
Kondens.Heizkessel
1.50 1.00

18
12
17
3
24
4

66
44
60
9
87
13

  

  

    

44

158

Das Konzept 2 eignet sich als zweite Etappe für ein Haus, welches nach dem Grundsatz des Konzepts 1 realisiert wurde.
Konzept 2:
Haustechnik
 
Lufterneuerungsanlage
Sole-Wasser-WP
Warmwasser mit WP
        
JAZ=4
JAZ=3

34
27
20

121
98
71

  

      

 

41

147

Das Konzept 3 beschreibt ein neues MINERGIE-Haus, welches nicht teurer ist als das konventionelle Vergleichsobjekt.
Konzept 3:
Baukosten
  
Gebäudeform
Fassadengestaltung II
Fassadendämmung
Lufterneuerungsanlage
Kondens. Heizkessel
Abwasser-WRG
1.50
    
10cm
1.00
    
15cm

18
13
4
28
4
14

66
47
13
101
15
52

  

    

  

42

151

Das Konzept 4 setzt auf maximale Nutzung der Sonnenenergie.
Konzept 4:
Solar
  
Fassadengestaltung II
Lufterneuerungsanlage
Solarzellen 50m²
Solaranlage für WW
     

-1
41
14
23

-4
147
51
81

  

   

  

45

162

Das Konzept 5 ist als Denkanstoss
gedacht: Auch das Nullenergiehaus ist
machbar, und der Aufwand ist gar nicht
so gewaltig...
Konzept 5:
Nullenergie
 
Gebäudeform
Fassadengestaltung II
Wärmedämmung III
Fenster I
Lufterneuerungsanlage
Wasser-Wasser-WP
Warmwasser mit WP
Solaranlage oder
Abwasser-WRG
Solarzellen
1.50 1.00
  
  
  
  
JAZ=6
JAZ=4
  
    
20m²

18
12
17
3
24
6
24
  
11
6

66
44
60
9
87
23
88
   
40
20

  

  

 

0

0

Die Zahlen in dieser Tabelle können von den vorigen Tabellen abweichen, weil die kombinierten Massnahmen sich gegenseitig beeinflussen.

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© WebVersion by Oerlikon Journalisten AG, Juni 98
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