Das Minergie - Haus

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2.  D I E  M A S S N A H M E N

 

 

Massnahmengruppen

kumuliertes
Optimierungs-
potential

Mehrinvestition

Architektur

bis 50 %

minus !

Bautechnik

bis 30 %

gering

Haustechnik

bis 80 %

mittel

Bewohner

± 50 %

null


 

2.3 HAUSTECHNISCHE MASSNAHMEN

2.3.1 Die Lufterneuerung

Die Grafik veranschaulicht den Basisstandard:

Die Wärmeverluste durch die Fensterlüftung liegen (besonders beim MFH) in einer ähnlichen Grössenordnung wie der Saldo der Transmission (Verluste minus Solargewinne).
  Die Kennzahl des Mehrfamilienhauses ist schlechter als die des EFH. Der Grund liegt ausschliesslich bei den höheren Lüftungsverlusten.
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Theoretisch gibt es 4 Möglichkeiten, ein Haus zu lüften. In der Praxis erweist sich jedoch, dass nur eine davon alle Anforderungen erfüllt.
Ritzenlüftung Neue und sanierte Gebäude sind zur Verhütung von Bauschäden und Zugluft fast luftdicht.
Dauerlüftung Komforteinbusse (kalte Räume) und Energieverschwendung
Stosslüftung Alle 2-3 Stunden durchlüften: Theoretisch gut, aber praktisch nicht durchführbar.
Lufterneuerungsanlage Einzige wirklich funktionsfähige Variante.
Bei der Lufterneuerungsanlage ist der Zusammenhang zwischen Komfort, Gesundheit, Schadenfreiheit und Energieverbrauch besonders deutlich sichtbar.
Komfort Keine kalten Räume, keine Zugluft
Gesundheit Wohngifte, Keime, Rauch, Pollen
Schadenfreiheit Kein Kondensat, kein Schimmel und dgl.
Energieverbrauch Wärmerückgewinnung
Auswirkungen der Lufterneuerungsanlage mit WRG auf den Heizernergiebedarf bei verschiedenen Dämmstandards (vgl. 2.2.1): A = Basisstandard. B = Sehr gute Dämmung. C = Superdämmung.
Die Lufterneuerungsanlage ist mit Abstand die wirksamste Massnahme. Sie ist sogar wirksamer als die Superwärmedämmung!
Je besser der Wärmedämmstandard, desto wichtiger wird die Lufterneuerungsanlage.

Optimierungspotential: bis zu 65 % !

Einige Hinweise zur Realisierung:

Aussenluft wenn möglich in einem Erdregister vorwärmen.
Luft kaskadenartig mehrfach nutzen.
Zuluftauslass unten, Abluft oben im Raum.
Luftmenge: 15m³/h·Person. Oder:
Luftmenge pro Schlafzimmer: 30m³/h
Küchendunstabzug: Umluft mit Kohlefilter.

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2.3.2 Die Wärmeverteilung

Die Wärmeverteilung muss "solarverträglich" konzipiert werden, um ein Überhitzen bei Sonneneinstrahlung zu vermeiden. Dies gilt vor allem in Räumen mit grossen Fensterflächen und vor allem in der Übergangszeit. Vgl. 2.1.9. Zwei Systeme kommen in Frage:

Heizkörper mit kleinem Wasserinhalt und flinker Regelung. Oder:
Eine selbstregulierende Bodenheizung (s. Kasten).
Übliche Bodenheizungen sind wegen ihrer Trägheit für sonnige Räume ungeeignet.

Optimierungspotential: bis zu 20%

Die selbstregulierende Bodenheizung

Das entscheidende Merkmal der selbstregulierenden Bodenheizung sind die sehr tiefen Betriebstemperaturen von max. 28/24°C bei sehr kaltem Wetter bzw. 26/22°C in der Übergangszeit. Die daraus resultierende mittlere Bodentemperatur von 24°C verhindert die Überhitzung: Sobald die Raumluft wärmer ist als der Boden, hört die Wärmeabgabe von selbst auf: Die Bodenheizung reguliert sich selbst.

Um mit diesen tiefenHeizungstemperaturen auszukommen, müssen erfahrungsgemäss folgende drei Voraussetzungen erfüllt sein:

Wärmeleitende Bodenbeläge
Hochisolierende Gebäudehülle
Lufterneuerungsanlage mit guter Wärmerückgewinnung

2.3.3 Die Wärmeerzeugung

Die Wärmeerzeugung kann auf vier Arten zum Erreichen des MINERGIE-Standards beitragen.

Optimierungspotentiale der Wärmeerzeugung:
Verbesserte Wirkungsgrade
Nutzung von Umweltwärme
Stromproduktion
Nutzung der Sonnenenergie

2.3.4 Der Öl-, Gas- oder Holzkessel

Herkömmliche Öl- und Gaskessel erreichen Wirkungsgrade um 90%. Moderne kondensierende Kessel nutzen den oberen Heizwert und erreichen damit Kesselwirkungsgrade über 100%.

Die ökonomischen und ökologischen Vorteile des Brennstoffs Holz werden berücksichtigt, indem Holzfeuerungen mit = 100% gerechnet werden.

Optimierungspotential: bis zu 10%


2.3.5 Die Wärmepumpe

Vor allem im Winter kommt ein grosser Teil des Stroms aus thermischen Kraftwerken, welche mit Wirkungsgraden von 30...50% arbeiten. Aus diesem Grund wird für die bewertete Energiekennzahl der Stromverbrauch doppelt gerechnet.

Eine Heizungs-Wärmepumpe mit einer JAZ = 2 leistet also noch keinen MINERGIE-Beitrag. Auch eine JAZ = 3 ist noch ungenügend. JAZ >6 sind mit vertretbarem Mehraufwand realisierbar.

Voraussetzungen für eine gute Jahresarbeitszahl:

Eine gute Wärmepumpe. (Vgl. WPZ-Tests).
Eine hohe Wärmequellentemperatur. Aussenluft ist deshalb eine eher ungeeignete Wärmequelle.
Eine tiefe Heizungstemperatur. (Z.B. eine selbstregulierende Bodenheizung. Vgl. 2.3.2).

Optimierungspotential: bis zu 60%

Jahresarbeitszahlen (JAZ) von Wärmepumpen

Heizung

Heizung und WW

Warmwasser

sehr schwach

1

schwach

2

1

ungenügend

3

2

1

genügend

4

3

2

gut

5

4

3

sehr gut

6

5

4


2.3.6 Die Stromproduktion

Dass der Stomverbrauch für die bewertete Energiekannzahl zweifach gewichtet wird, macht die Produktion von eigenem Strom doppelt interessant. Zwei Techniken stehen zur Verfügung:

Solarzellen sind heute sehr zuverlässig, die Kosten für den damit erzeugten Strom aber immer noch sehr hoch.
Die Wärme-Kraft-Kopplung produziert
gleichzeitig Heizwärme und Winterstrom aus Gas oder Öl. Kleinanlagen erzeugen etwa drei Viertel Wärme und ein Viertel Strom. Sie verbessern damit die bewertete
Energiekennzahl um etwa ¼. Auch die
kleinsten heute verfügbaren Einheiten sind nur für grössere MINERGIE-Bauten geeignet.

Optimierungspotential: ca. 25%

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2.3.7 Die Sonnenenergie

Die passive Sonnenenergienutzung mit grossen Südfenstern und schwerer Bauweise ist eine architektonische Aufgabe. Vgl. Kapitel 2.1.

Der passive Direktgewinn ist mit Abstand die wirksamste und kostengünstigste Art der Sonnenenergienutzung.
Für aktive Solaranlagen steht die
Warmwasserbereitung im Vordergrund. Im
Sommerhalbjahr kann die Warmwasserbereitung fast voll, über das
ganze Jahr zu rund zwei Drittel gedeckt
werden. Bei grosszügiger Dimensionierung können Solaranlagen in der Übergangszeit einen Beitrag zur Heizungsunterstützung und zur Verkürzung der Heizperiode leisten.
Die reine Raumheizung ist für die technischen Solaranlagen ein eher ungünstiger Anwendungsbereich.

Optimierungspotential: einige %

 

2.3.8 Das Warmwasser

Die fünf Techniken für die Wassererwärmung können Sie in 20 verschiedenen Kombinationen einsetzen. Die resultierenden bewerteten Energiekennzahlen (ohne Heizung!) bewegen sich zwischen 12...200 MJ/m²a. Vgl. Kasten.

Die Optimierung der Brauchwassererwärmung ist fast ebenso wichtig wie die Heizung, vor allem in Mehrfamilienhäusern.
Im ungünstigsten Fall (100% mit Elektroboiler) überschreitet die Wassererwärmung für ein MFH allein schon den MINERGIE-Grenzwert.
Auch die übliche Lösung (WW im Winter vom Heizkessel, im Sommer elektrisch, vgl. Komb. 2) wäre im MFH nur mit unrealistisch tiefem Heizbedarf möglich.

Optimierungspotential: 85 % !

Kom-
bina-
tion

Öl,
Gas,
Holz

Elektro-
boiler

Wärme-
pumpe JAZ=3

Solar-
anlage

Ab-
wasser
WRG

Bewertete Energiekennzahl *EWW
(kWh/m²a,MJ/m²a)

Nr.

1 x

2 x

0.67 x

0 x

0 x

EFH

MFH

1

100%

           

18

67

31

111

2

67%

33%

        

23

84

39

140

3

33%

17%

  

50%

  

12

42

20

71

4

40%

20%

     

40%

14

51

23

84

5

20%

10%

  

30%

40%

7

25

12

42

6

67%

  

33%

       

16

58

27

96

7

33%

  

17%

50%

    

8

29

13

48

8

40%

  

20%

  

40%

10

35

16

58

9

20%

  

10%

30%

40%

5

17

8

29

10

50%

     

50%

  

9

33

15

56

11

60%

        

40%

11

40

18

67

12

30%

     

30%

40%

6

20

9

33

13

  

100%

        

33

120

56

200

14

  

50%

  

50%

  

17

60

28

100

15

  

60%

     

40%

20

72

33

120

16

  

30%

  

30%

40%

10

36

17

60

17

     

100%

     

11

40

19

67

18

     

50%

50%

  

6

20

9

34

19

     

60%

  

40%

7

24

11

40

20

     

30%

30%

40%

3

12

6

20

 
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© WebVersion by Oerlikon Journalisten AG, Juni 98
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