Kälteanlagen |
Kälteanlagen transportieren Wärmeenergie von einer tiefen Temperatur auf eine höhere Temperatur. Die dazu erforderliche Kompressorleistung hängt von der Wärmemenge pro Zeit und der Temperaturdifferenz ab. Daraus ergeben sich folgende vier Ansatzpunkte für die rationelle Verwendung von Energie:
- Der Kühlraum soll ein Minimum an Kälteleistung benötigen (Isolation, Dichtigkeit, Fremdwärme).
- Die Kühltemperatur soll nur so tief wie nötig sein (regelmässige Temperaturkontrollen).
- Die Abgabetemperatur bei der Kondensation soll so tief wie möglich sein ( Abwärme wird üblicherweise nur bis 45 °C genutzt).
- Die Anlage sollte dem Stand der Technik entsprechen und gut gewartet werden (Reinigung Verdampfer und Kondensator).
| 100% | Elektrische Leistungsaufnahme | ||
| 15% | Verluste durch Nebenaggregate (Ventilatoren, Heizungen, Beleuchtung) | ||
| 20% | Verluste im Antriebsmotor des Kompressors | ||
| 25% | Umwandlungsverluste im Kompressor | ||
| 40% | Wirksame Verdichterleistung des Kompressors | ||
| 220% | Abwärme im Rückkühler oder zum Beispiel für Warmwasser | ||
| 150% | Kälteleistung (Kältezahl ε 1,5) | ||
| 20% | Kälteverlust durch Enteisung | ||
| 10% | Wärmeeintrag durch Ventilator, Enteisung, Beleuchtung, Rahmenheizung | ||
| 50% | Transmissionsverluste der Tiefkühlzelle (Wärmedämmung) | ||
| 50% | Lüftungsverluste der Tiefkühlzelle (Lecks, Türöffnungen) | ||
| 20% | Abkühlen von Gefriergut, Behälter und Personal | ||
| Beispiel des Energieflusses in einer 2,2 kW Tiefkühlanlage mit einer Systemleistungsaufnahme 3 kW. (Quelle: Schätzung Gloor) |
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Kennzahlen
| Anlagentyp | zentrale Kälteanlage | integrierte Kälteanlage |
|---|---|---|
| Tiefkühlmöbel pro m² horizontal offene Präsentationfläche und Jahr | 4'700 kWh/m²a | 13'100 kWh/m²a |
| Tiefkühlmöbel pro m² horizontal verglaster Präsentationfläche und Jahr | 2'900 kWh/m²a | 6'600 kWh/m²a |
| Tiefkühlmöbel pro m² vertikal verglaster Präsentationfläche und Jahr | 10'000 kWh/m²a | 11'000 kWh/m²a |
| Kühlmöbel pro m² horizontal offene Präsentationfläche und Jahr | 2'400 kWh/m²a | 3'700 kWh/m²a |
| Kühlmöbel pro m² horizontal verglaster Präsentationfläche und Jahr | 2'000 kWh/m²a | 3'700 kWh/m²a |
| Kühlmöbel pro m² vertikal verglaster Präsentationfläche und Jahr | 4'700 kWh/m²a | 7'700 kWh/m²a |
| Tiefkühlraum pro m³ und Jahr | 600 kWh/m³a | 1200 kWh/m³a |
| Kühlraum pro m³ und Jahr | 400 kWh/m³a | 500 kWh/m³a |
| Angestrebter Jahresstromverbrauch von Kühlanlagen. (Quelle: Norm SIA 380/4, Tabellen 3.19 bis 3.20, Werte aus 3.21 korrigiert) |
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Energiesparmassnahmen
| Prozess | Massnahme | Bemerkungen |
|---|---|---|
| Abwärmenutzung | Die Abwärme einer Kühlanlage eignet sich sehr gut zur Vorwärmung bis 45 °C von Warmwasser über einen Wärmetauscher. | Pro kW Kompressorleistung kann etwa mit 2,5 kW Wärmeleistung gerechnet werden. |
| Luftkühlung | Der Wärmetauscher für die Abwärme sollte sauber sein und möglichst kalte Luft ansaugen (Anordnung, Lüftungsöffnungen ..). | Einsparmöglichkeit von 2 bis 15% des Stromverbrauchs. |
| Überfüllung | Kühlmöbel sollten nur bis zur Marke gefüllt werden, schon wegen der Warentemperatur. Unnötige Verpackung und leere Gebinde gehören nicht in den Kühlraum. | Energieeinsparungen bis 20% sind möglich. |
| Wasserkühlung mit Frischwasser | Der Wasserverbrauch sollte wie der Stromverbrauch kontrolliert werden. Eine tiefe Wasseraustrittstemperatur weist auf einen zu grossen Wasserdurchfluss hin. Ohne Abwärmenutzung, ist die Kühlung über eine Rückkühlanlage oft wirtschaftlicher (Wassergebühren). | Je nach Tarif und Einstellung können die Kosten für das Kühlwasser (meistens Trinkwasser) in den Bereich der Stromkosten gelangen. |
| Temperatur | Die Kühlraumtemperatur sollte nicht tiefer als erforderlich sein. In der untenstehenden Tabelle sind einige Lagertemperaturen aufgeführt. | Eine Kühlraumtemperatur von -18 °C erfordert 25% weniger Energie als eine von -23 °C. |
| Abdeckung | Offene Kühlmöbel in der Nacht abdecken und Temperatursollwert anheben. Tagsüber können die Verluste mit einer IR reflektierenden Folie an der Decke reduziert werden. | Mit einer konsequenten Abdeckung kann bis zu einem Viertel der Energie eingespart werden. |
| Dichtigkeit | Nebst dem Kälteverlust über die Isolation gibt es auch Lüftungsverluste durch undichte Türdichtungen, Bodenelemente und Kondensatleitungen ohne Siphon. Undichtigkeiten führen auch zu vermehrter Vereisung. | Türen sollten nur für kurze Zeit offen sein, automatische Türen sind zu aktivieren. |
| Wärmedämmung | Ein schlecht gedämmter Kühlraum verliert viel Kälte. Bei einer Kühlraumtemperatur von unter 8 °C ist eine Wärmedämmung mit einem u-Wert von 0,15 W/mK erforderlich (etwa 20 cm Dämmstärke). | Nach kantonalen Wärmedämmvorschriften darf der Wärmezufluss 5 W/m² nicht übersteigen. Er darf natürlich auch tiefer sein. |
| Wartung | Regelmässige Reinigung des Verdampfer und der Kondensatoren. | 2 bis 10% Sparpotential. |
| Neuanschaffung | Beim Kauf einer neuen Kälteanlage sollte der Energieverbrauch beachtet werden. Eine gute Wärmedämmung und eine gute Kältemaschine. | Schlussendlich zählen die Investitions- und Betriebskosten zusammen. |
| Aufstellung | Der Kühlbereich sollte an einem möglichst kühlen und strömungsarmen Ort aufgestellt werden. Der Kondensator (Rückkühler) soll an einer kühlen strömungsreichen Stelle platziert werden, welche nicht von anderen Rückkühlern vorgeheizt wird. | Man sieht immer wieder Kühlanlagen neben Wärmequellen und strömungstechnisch kurzgeschlossene Rückkühler. |
| Abtauung | Anpassung der Abtauung an Erfordernisse (Wochenende, Raumfeuchte, Jahreszeit), Verlegung in die Niedertarifzeit. Das Kondenswasser sollte über eine Leitung mit Siphon (damit es keinen Luftaustausch gibt) aus dem Kühlraum austreten können. |
Je nach Situation 2 bis 6% Sparpotential. |
| Laufdauer | Ein Kompressor sollte pro Schaltspiel mindestens einige Minuten laufen. | 2 bis 5% Sparpotential. |
| Zusatzaggregate | Bei Kühlanlagen können die Zusatzaggregate wie Licht, Rahmenheizung, Ventilatoren, Pumpen bis 30% des Verbrauchs ausmachen. | Bei bedarfsgerechter Ansteuerung sind bis 15% Sparpotential möglich. |
| Produktentnahme | Wenn grössere Mengen aus dem Tiefkühlraum entnommen werden, können diese auch im Plus-Kühlraum aufgetaut werden. Bei geschickter Planung kann so etwas Kälteenergie im Plus-Kühlraum und Wärme in der Küche eingespart werden . | Ein Kilogramm Gefriergut hat von - 18 °C bis + 5 °C einen Energieinhalt von etwa 0,1 kWh/kg. |
| Spitzenleistung | Grössere Kälteanlagen mit Speichermasse können zur Vermeidung einer Leistungsspitze kurzzeitig ausgeschaltet werden. | Die zulässige Kühlraumtemperatur darf nicht überschritten werden. |
| Nachtstrom | Nebst einer Temperaturabsenkung mit günstigen Nachtstrom gibt es auch Systeme mit Kältespeicher wie Binäreis (Flow-Ice). | Bei grösseren Anlagen ab 10 kW Leistung eine prüfenswerte Variante. |
Temperaturanforderungen beim Lebensmittelverkauf
| Temperatur | Produkte |
|---|---|
| -18 °C | Tiefkühlprodukte (beim Abtauen darf die Temperatur auf höchstens -15 °C ansteigen) |
| +2 °C | Fisch, Fleisch, Geflügel, Wild |
| +5 °C | Milch, Rahm, Gekochte Fleischwaren |
| +10 °C | Käse, Butter, Quark, Gemüse, Obst |
| Die Mindesttemperatur für Tiefkühlprodukte ist in der Hygieneverordnung des EDI festgelegt. (Quelle: http://www.admin.ch) |
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Weitere Informationen
- Kühlmöbel und Kälteanlagen in Lebensmittelgeschäften, RAVEL, 1994, 724.350 D
- Standardmassnahmen Kühlung, Hotelpower, Lausanne
- SVK, Schweizer Verein für Kältetechnik, Maur
Aktualisiert: Am 18.06.10 um 10:07 Uhr Erstellt: Am 10.06.10 um 15:36 Uhr Autor: Rolf Gloor
