Energieeffizienz im Hotel


Zuletzt aktualisiert von Rolf Gloor am 01.08.2011

Artikel Introbild
Es gibt Garnihotels ohne Küche, grosse Restaurants mit ein paar wenigen Gästezimmern und Hotels mit Hallenschwimmbad. In Hotels gibt es viele unterschiedliche Prozesse, in denen meisten erhebliche Energiesparmöglichkeiten stecken. Eine interessante Messgrösse ist der Energieverbrauch in Funktion der Belegung. In energieeffizienten Hotels verursacht die Belegung 70% des Energieverbrauchs. Das heisst, ein leeres Hotel sollte nur 30% des Energieverbrauchs eines ausgebuchten Hotels haben.

In einem Hotel möchte man den Gast so gut wie möglich verwöhnen, dazu gehört eine üppige Bereitstellung von Komfort wie Licht und Wärme. Energiesparmassnahmen dürfen beim Gast nicht das Gefühl von Schäbigkeit hinterlassen, sondern sie sollten im Hintergrund laufen und ihm zeigen, dass man in diesem Hotel nicht "spart" sondern sich anstrengt. Mit ähnlichen Strategien und Massnahmen versucht man ja auch, den Personaleinsatz zu reduzieren.

Hotel Ziel Durchschnitt
10% 20% Küche
10% 20% Kälteanlagen
10% 20% Wäscherei
10% 20% Beleuchtung
5% 10% Lüftung, Haustechnik
5% 10% Diverse (Büro, Lift...)
50% 100% Summe Stromverbrauch
Aufteilung des Stromverbrauchs in einem Hotel mit Restaurant für 100 Personen. Je nach Verhältnis Betten zu Restaurantsitzplätze kann sich diese Aufteilung erheblich verschieben. Grün: Zielwert, Rot: Einsparpotential (Quelle: Schätzung von Gloor 2007)

Kennzahlen

VergleichsgrösseDurchschnittBemerkung
Stromverbrauch pro Mitarbeiter und Jahr 15 MWh/Ma Der Energieverbrauch liegt bei 36 MWh/Ma
Stromverbrauch pro m² Fläche und Jahr 125 kWh/m²a 3 Stern (pro Stern etwa ± 20 kWh/m²a)
Wärmeverbrauch pro m² Fläche und Jahr 240 kWh/m²a Der Wärmeverbrauch ist nicht von der Hotelkategorie abhängig
Stromverbrauch pro Tausend Franken Umsatz 120 kWh/kCHF Der Energieverbrauch liegt bei etwa 400 kWh/kCHF
Stromverbrauch pro Gast 36 kWh/Gast 4-5 Sterne Betriebe (Quelle: Avireal 2003)
Energieverbrauch pro Gast 85 kWh/Gast 4-5 Sterne Betriebe
Je nach Quelle RAVEL, BfE, E2000, EnAW, Avireal, ewz variieren die Kennzahlen erheblich, hier ist der Durchschnitt des BfE eingetragen.

Energiesparmassnahmen

ProzessMassnahmeBemerkungen
Aussenbeleuchtung Anpassung der Aussenbeleuchtung an das Umgebungslicht.
Abstufung der Aussenbeleuchtung in der Nacht. Nach Mitternacht muss der Gast nur sehen, dass das Hotel offen ist und wo der Eingang ist.
Der Nutzen einer Objektbeleuchtung ist nicht proportional zur installierten Leistung. Die richtigen Lampen am rechten Ort und zur rechten Zeit.
Innenbeleuchtung

In Räumen mit Fenster sollte eine tageslichtabhängige Lichtregelung eingebaut werden.
Auf den Verkehrsflächen kann mit Präsenzmelder die Beleuchtung ein- und ausgeschaltet werden. Mit dieser Massnahme kann man auch Spots ansteuern, welche auf Bilder und ähnliches gerichtet sind.
Die Notbeleuchtung kann mit vielen verteilten LED zur Dauerbeleuchtung umfunktioniert werden, welche im Dunkeln bis zum Einschalten der Hauptbeleuchtung eine Orientierung erlauben und den Weg weisen.

Das Licht sollte nur brennen, wenn es jemand sieht.
Mit energieeffizienten Entladungslampen (Leuchtstofflampe, Energiesparlampe, Metalldampflampen ...) können heute fast alle Beleuchtungsaufgaben realisiert werden.
Gästezimmer

Zur Reduktion von Standbyverlusten und leuchtenden Zimmern ohne Gast kann zum Beispiel mit dem Zimmerschlüssel der Hauptschalter aktiviert werden kann. Eine weitere Möglichkeit ist die Fernsteuerung über die Lobby, wo das Zimmer freigegeben wird und der Schlüssel deponiert wird.
Mit einer Glastür zum Sanitärbereich löscht der Gast das Licht dort selber ab.

Ein unbelegtes Gästezimmer sollte keinen Strom verbrauchen.
Die freien Steckdosen sollten immer unter Spannung sein, damit der Gast auch bei Abwesenheit seine Ladegeräte betreiben kann.
Der Gast sollte die Möglichkeit haben, die Zimmertemperatur selber abzusenken, damit er nicht bei offenem Fenster schlafen muss.

Minibar

Der Einsatz von Kompressorkühlschränken reduziert den Stromverbrauch eines üblichen Absorberkühlschrankes mit 500 kWh/a um mehr als die Hälfte.
Eine Alternative für eine Minibar ist auch ein Getränkeautomat auf der Etage.

Gute Kompressorkühlschränke hört man kaum und sie sind auch nicht teuer als die geräuschlosen Absorberkühlschränke.
Wasserbrausen

Mit einer Energiesparbrause (Label Energy) duscht man genauso gut, wie mit einer üblichen Brause, braucht aber nur die Hälfte des Wassers.
Eine Energiesparbrause ist nicht teurer als eine übliche Brause.
Für das Spülbecken gibt es auch Energiesparköpfe, denn für das Händewaschen und Zähneputzen braucht man nicht viel Wasser.

Statt 18 bis 25 Liter Wasser pro Minute benötigt man maximal 12 Liter/min, was eine Wasser- und Abwassereinsparung von etwa 3 m³ und eine Energieeinsparung etwa 100 kWh pro Jahr und Zimmer ergibt. In einem Doppelzimmer ist die Einsparung etwa doppelt so gross.
Für das Füllen einer Badewanne nützt die Energiesparbrause nichts, es dauert nur länger und ärgert den Gast.

Restaurant Nebst dem Einsatz von energieeffizienten Geräten und Anlagen kann über das Kochverhalten der Energieverbrauch wesentlich beeinflusst werden. Der Stromverbrauch der Küche mit den Kälteanlagen sowie die produzierten Mahlzeiten sollten separat erfasst werden, damit die Mitarbeiter ihren Prozess optimieren können.
Liftanlage Auch im Lift können Energiesparlampen eingesetzt werden.  
Lüftungsanlage Die Lüftungsmenge sollte sich der Belegung anpassen lassen: Pro Raucher (30 m³/h) und pro Nichtraucher (12 m³/h). Mit einem Wärmetauscher lassen sich etwa 60% der thermischen Lüftungsverluste zurückgewinnen. Anlagen ab 4 kW Ventilatorleistung und Laufzeiten von mehr als 1000 Stunden pro Jahr sind genauer zu untersuchen.
Warmwasser

Eine Warmwassertemperatur von 55 °C ist ausreichend. Um die erforderliche Heizleistung gering zu halten, sind genügend grosse Warmwasserspeicher vorzusehen, denn die Gäste benötigen das Warmwasser fast gleichzeitig am Morgen und Abend.
Eine Geschirrwaschmaschine ist wenn möglich an das Warmwassernetz anzuschliessen.
Die Zirkulationspumpe oder Begleitheizung ist auf die übliche Benutzungszeit einzustellen.

Eine Vorwärmung des Warmwassers mit der Abwärme der Kälteanlagen oder Klimaanlage ist bei einem Hotel zu prüfen. Für einen hohen Nutzungsgrad sind genügend grosse Speicher vorzusehen.
Einzelgeräte Multimediageräte, Kopierer, Kaffeemaschinen, Kühlvitrinen, Automaten usw. sind, wenn möglich, ausserhalb der Betriebszeit abzuschalten.
Energieeffiziente Geräte sind nicht teurer, als übliche.
Bei den meisten Geräten sind die Bereitschaftsverluste dominant. Das Aus- und Einschalten lässt sich über Schaltuhren automatisieren.
Heizungsanlage Die Raumtemperatur ist auf maximal 22 °C (Thermostatventile) einzustellen, in Nebenräumen, unbelegten Zimmern und nachts sollte die Temperatur tiefer liegen. Die meisten Heizungsanlagen und Umwälzpumpen sind zu gross. Ein Grad tiefere Raumtemperatur spart rund 6% Heizenergie.
Beim Ersatz einer Heizungsanlage ist die Dimensionierung zu prüfen.
Wäscherei Der mehrtägige Gast soll selber entscheiden können, ob Handtücher gewaschen werden sollen, indem er diese am Boden deponiert.
Waschmaschinen sind möglichst nur voll und mit einem sparsamen Waschprogramm zu benutzen. Eine hohe Schleuderdrehzahl spart Zeit und Energie beim Tumbler. Siehe auch Hotelpower.
Bei neuen Geräten ist auf den spezifischen Strom- und Wasserverbrauch zu achten (www.topten.ch).
Der Stromverbrauch und die Wäschemenge der Wäscherei sollte separat erfasst werden, damit die Mitarbeiter ihren Prozess optimieren können.
Leistungsspitze In Hotels kann die Leistungsspitze über die automatische Abschaltung der Küchen-, Kälte- und Wäscheanlagen in den meisten Fällen erheblich reduziert werden. Ab 60 kW Spitzenleistung können Lastoptimierungsgeräte wirtschaftlich eingesetzt werden.
Energiebuchhaltung Mit dem regelmässigen Ablesen der Verbrauchszähler von Heizöl, Gas, Elektrizität und Wasser kann die Energieeffizienz überwacht werden. Die Energiebuchhaltung ist die Grundlage für eine stetige Optimierung.

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