Heizungsvergleich


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Zuletzt aktualisiert von Rolf Gloor am 16.08.2015

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Eine Heizung ist eine Anlage zur Erwärmung von Räumen und Objekten. In diesem Beitrag werden Kosten und Leistung von verschiedenen Arten von Heizungen verglichen, sowie einige Empfehlungen zu lage-, nutzungs- und gebäudespezifischen Kriterien geben.

Ein neues durchschnittliches Einfamilienhaus braucht etwa 10'000 kWh Heizenergie (1000 Liter Heizöl) im Jahr, dafür genügt 4 kW Heizleistung. Für ein neues Mehrfamilienhaus mit 20 Wohnungen braucht es eine 40 kW Heizung. Eine zu grosse Heizung kostet mehr und hat einen schlechteren Wirkungsgrad. Eine richtig dimensionierte Heizung läuft bei - 15 °C Aussentemperatur dauernd.

Man unterscheidet hauptsächlich zwischen Einzelraumheizung und Zentralheizung. Dazwischen gibt es noch die selten vorkommende Etagenheizung. Eine monovalente Heizungsanlage basiert auf nur einem Energieträger, eine bivalente Anlage basiert auf zwei Energieträgern, zum Beispiel eine Ölfeuerung in Kombination mit einer Sonnenkollektoranlage: Wird obendrauf noch ein Holzofen eingesetzt, so spricht man von einer polyvalenten Anlage.

Leistungs- und Kostenvergleich verschiedener Heizungen

Die verschiedenen Wärmeerzeugungsanlagen haben etwa folgende Eckdaten:

Energieträger Heizungssystem Wärmeabgabe Heizleistung
kW
Wirkungs-
grad / COP
Anlagekosten
kCHF/kW
Wärmekosten
Rp./kWh
Heizöl,
Petrol
Ölofen (atmosphärisch) direkt 3 - 10 70% - 80% 1,2 - 0,5 16 - 13
Ölheizung Wasser, Luft 5 - 5'000 80% - 90% 2,0 - 0,2 16 - 12
Blockheizkraftwerk Wasser (Strom) 10 - 5'000 80% - 90% 3,0 - 0,7 40 - 12
Erdgas,
Propan,
Butan
Gasstrahler direkt 3 - 15 50% - 70% 0,1 - 0,3 50 - 15
Gasheizung Wasser, Luft 5 - 5'000 85% - 95% 1,5 - 0,1 14 - 11
Blockheizkraftwerk Wasser (Strom) 5 - 2'000 70% - 90% 2,5 - 0,6 40 - 12
Holz
Kohle
Cheminée direkt (Wasser) 5 - 30 20% - 50% 1,2 - 0,3 12 - 5
Kachelofen direkt (Wasser) 5 - 20 60% - 75% 2,0 - 0,9 10 - 5
Stückholzheizung Wasser 10 - 200 60% - 80% 1,7 - 0,5 10 - 5
Schnitzelheizung Wasser 20 - 5'000 70% - 85% 1,7 - 1,0 10 - 4
Pelletheizung direkt, Wasser 5 - 100 70% - 85% 1,4 - 1,0 16 - 13
Umwelt-
wärme +
Elektrizität
Grundwasser-Wärmepumpe Wasser 5 - 800 4,0 - 5,5 2,6 - 0,9 7 - 4
Sole-Wärmepumpe Wasser 5 - 100 3,0 - 4,5 4,0 - 1,6 10 - 5
Luft-Wärmepumpe Wasser 5 - 50 2,0 - 3,5 3,0 - 1,4 12 - 6
Diverse Fernheizung Wasser 5 - 5'000 95% - 99% 0,9 - 0,4 12 - 11
Lokale Abwärme Wasser, Luft 1 - 200 40% - 90% 6 - 0,4 8 - 1
Sonne Flachkollektoren Wasser 1 - 20 40% - 60% 14 - 10 19 - 13
Vakuumröhrenkollektoren Wasser 1 - 20 60% - 80% 12 - 9 16 - 12
Elektrizität Elektroofen direkt 0,3 - 20 100% 1,7 - 0,3 18 - 16
Infrarotheizung direkt 0,3 - 2 100% 1,7 - 1,5 20 - 16
Elektrozentralheizung Wasser, Luft 5 - 200 95% - 99% 2,0 - 0,2 20 - 16

Bemerkungen:

  • Die angegebenen Werte basieren auf einfachen Berechnungen und Schätzungen des Autors.
  • Energiekosten: 16 Rp./kWh für Elektrizität; 10 Rp./kWh für Heizöl, Erdgas, Pellet; 4 Rp./kWh für Stückholz (ohne Aufbereitung)
  • Kalkulation: gesamte Anlagekosten ohne Wärmeverteilung über 25 Jahre Anlagenlebensdauer mit Unterhalt ohne Verzinsung und ohne Betriebsaufwand (Holzbereitstellung, Ascheentsorgung etc.)
  • Auslastung über 3000 Volllastbetriebsstunden pro Jahr, Vorlauftemperatur für Wärmepumpen 35 °C

Heizungswahl nach Kriterien

Es gibt keine beste Heizung, es kommt auf die Lage, das Gebäude und die Nutzung an. Das Ziel ist ein möglichst hoher Wohnkomfort bei minimalen Investitions- und Heizkosten und minimaler Umweltbelastung. Praktisch gesehen muss also ein individueller Kompromiss gefunden werden.

In der folgenden Tabelle werden Empfehlungen zur Heizungswahl bei verschiedenen Kriterien gegeben:

Thema Kriterium Empfehlungen Bemerkung
Lage Viel Wintersonne Sonnenkollektoren prüfen
  • Steile Südost bis Südwest Flächen für Wintersonne.
  • Platz für grosse Wasserspeicher (mehrere Kubikmeter).
  • Unterstützung durch Zusatzheizung (z.B. Kachelofen).
  • Teure Investition aber eine gute Sache.
Abwärmequellen in der Nähe Abwärme nutzen
  • Beispiele: Kühlanlagen, Serverräume, warme Quellen ...
  • Kontinuität der Abwärme prüfen (Notheizung).
Fernheizungsnetz in der Nähe Anschluss prüfen
  • Frage nach dem Energieträger der Fernheizung?
  • Abhängigkeit vom Anbieter (Versorgung, Preis).
Gasleitungsnetz in der Nähe Gasheizung prüfen
  • Erdgas ergibt 35% weniger CO2 als Heizöl.
  • Hoher Wirkungsgrad bei Niedertemperaturheizung.
  • Keine Tankanlage und günstige Kaminanlage.
  • Abhängigkeit vom Anbieter (Versorgung, Preis).
Grundwasserentnahme möglich Wärmepumpe prüfen
Erdsondenbohrungen oder Erdregister möglich Wärmepumpe möglich
Gebäude Schlecht gedämmt Wärmetechnische Gebäudesanierung
  • Vor der Installation einer neuer Heizung sollte eine wärmetechnische Gebäudesanierung geprüft werden, denn danach genügt eine kleinere Heizung. Je schlechter die Gebäudehülle ist, desto rentabler ist eine Sanierung.
Kalte Wände Strahlungswirkung reduzieren oder kompensieren
  • Wärmetechnische Gebäudesanierung prüfen.
  • Innendämmung, Vorhang oder Holzwand vorhängen.
  • Infrarotstrahler (Zimmerofen, Gas, Elektrizität).
Kleine Radiatoren Keine Niedertemperaturheizung möglich
  • Keine Wärmepumpenheizung oder kondensierende Feuerungsanlagen empfehlenswert, da zu hohe Vorlauf- und Rücklauftemperaturen erforderlich.
Fussbodenheizung (Wasser) Gute Lösung
  • Kann bei Wärmepumpen und Stückholzfeuerungen auch als Wärmespeicher für einen Tag dienen.
Fussbodenheizung (Strom) Schlechte Lösung
  • Für die grossflächige und dauernde intensive Beheizung nicht mehr zeitgemäss.
Warmwasseraufbereitung Mit Heizung kombinieren
  • Warmwasseraufbereitung ausserhalb der Heizperiode mit Sonne oder Elektrizität.
Unbenutzte Räume Nutzung als Speicher prüfen
  • Wasserspeicher für Solar- oder Stückholzheizung, Lagerraum für Pellet, Schnitzel, Stückholz oder Heizöl
Sehr gross keine Wärmepumpen
Nutzung Raumtemperatur Raumtemperaturregler
  • Eine Temperaturreduktion um 1 °C spart 6% Energie.
  • Thermostatventile unter geöffneten Fenstern verschwenden Energie.
  • Unbenutzte Zimmer müssen nicht beheizt werden → Einstellung auf Frostschutz.
Nachtabsenkung Wochenendabsenkung
  • Vor allem wirkungsvoll bei schlecht gedämmten Gebäuden mit geringer Wärmespeicherkapazität.
  • Je länger die Absenkung dauert, desto wirksamer.
Längere Abwesenheit Ausschalten der Heizung
  • Für längere Zeit unbewohnte Wohnungen und Gebäude genügt eine Raumtemperatur von 6 °C.
  • Es gibt einfache Geräte, mit denen man die Raumtemperatur fernsteuern kann (z.B. mit SMS), so dass bei der Ankunft schon die gewünschte Raumtemperatur vorherrscht.
  • Beim Verlassen ist auf die Raumfeuchte zu achten.
Hohe Feuchtigkeit Lüften, Komfortlüftung
  • Die beste aber auch teure Lösung ist eine Komfortlüftung.
  • Mit offenen Zimmertüren (Bad) und Abluftanlagen mit Nachlauf lassen sich viele Feuchteprobleme einfach lösen.
  • Wenn nicht regelmässig gelüftet wird, kann man auch die Dichtigkeit verschlechtern oder Entfeuchter einsetzen.
Minimaler Betriebsaufwand Sonnen-, Abwärme-,Fern- und Wärmepumpenheizung
  • Über die Lebensdauer der Komponenten hat man mit diesen Heizungen keine zusätzliche Arbeit. Der Kompressor in einer Wärmepumpenheizung hält etwa 15 Jahre.
Kein CO2-Ausstoss Sonnen-, Abwärme-, Fern- und Holzheizungen
  • Pelletheizungen laufen durch die unverfänglichen Pellets problemlos automatisch wie Gas- und Ölheizungen.
Minimale Kosten Keine Empfehlung
  • Die derzeitig kostengünstigsten Varianten sind Öl- und Gasheizungen.
  • Die Energiekosten werden in Zukunft mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit überdurchschnittlich zunehmen. Man wird auch dann noch eine neue Heizung kaufen können.
Freude an Arbeit mit Holz Stückholzheizung
  • Ein Stückholzkessel muss je nach Speichergrösse mehrmals pro Woche beschickt werden.
  • Kachelöfen und gute Cheminées beschickt man bei kalter Witterung mindestens einmal täglich.
  • Ein gutes Cheminée mit Glaseinfassung sollte eine eigene Frischluftzufuhr, einen grossem Speicher, sowie eine Warmluftabgabe und Kaminklappe haben.
Freude an Motorenreparatur Blockheizkraftwerk
  • Eine tolle Möglichkeit um aus Erdgas oder Heizöl noch 20% bis 30% Elektrizität zu gewinnen.
  • Durch die geringe Lebensdauer von Kleinmotoren fallen nach 2 bis 3 Betriebsjahren viele Reparaturen an.

Kehrseite der Wärmepumpen

Im europäischen Stromverbund stammt während der Heizperiode etwa 90% der Elektrizität aus thermischen Kraftwerken, welche einen Wirkungsgrad um die 30% haben. Mit 1,2 kg Kohle, einem Liter Heizöl oder 1 m³ Erdgas produziert man 3 kWh elektrische Energie. Eine Wärmepumpe macht daraus wieder etwa 6 bis 12 kWh Wärme, etwa gleichviel wie eine gute Öl- oder Gasheizung direkt aus den Ressourcen gemacht hätte.

Wenn die Elektrizität aus einem modernen Gaskombikraftwerk mit einem Wirkungsgrad um 60% stammt und die Wärmepumpe einer COP von 4.5 hat, dann gibt es aus 1 m³ Erdgas mit dem Energieinhalt von 10 kWh etwa 25 kWh Wärme, was dann deutlich besser als eine reine Erdgasheizung ist.

Bei einem sehr grossen Anteil von Wärmepumpen wird das Stromnetz in einer Kälteperiode stark belastet, wodurch die Netzbetreiber grosse zusätzliche Bereitschaftsverluste und Übertragungsverluste haben.

Zum Schluss sollte erwähnt werden, dass in der Schweiz derzeit noch die meiste Elektrizität aus Kern- und Wasserkraft stammt, was die CO2-Bilanz der Wärmepumpenheizung nicht schlecht aussehen lässt.


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